Small Caps: Die Anlagegelegenheit

Warum sollten Anleger eine Allokation bei kleineren Unternehmen in Erwägung ziehen? Warum ist dabei mit höheren Erträgen zu rechnen? Und welche Risiken sind damit verbunden?

Das Center for Research in Securities Prices der Booth School of Business an der Universität Chicago verfügt über die umfassendsten historischen Daten zur Wertentwicklung nach Größe sortierter Aktienindizes. Ein 1926 in größere US-Unternehmen investierter Dollar wies bei reinvestierten Dividenden per Ende 2017 einen Wert von 5.767 USD auf. Eine ähnliche Anlage in Small Caps gewann über sechs Mal so viel auf 38.842 USD hinzu.1 Ein Ertragsaufschlag von 2% pro Jahr hat über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten einen beachtlichen Mehrertrag zur Folge.

Abbildung 1: Kumulative Wertentwicklung von US-Small- und Large-Caps, 1926–2017

Smaller companiesQuelle: Dimson, Marsh, Staunton und Evans, London Business School, CRSP, Morningstar

 

Kleinere Unternehmen schnitten zwischen 1975 und 1983 überdurchschnittlich ab und erregten so die Aufmerksamkeit von Akademikern und Anlegern gleichermaßen. Zwischen 1984 und 1997 kehrte sich die „Small Cap-Prämie“ ins Negative, sodass unter den Anlegern Zweifel an den von kleineren Unternehmen im Vergleich zu ihren großen Pendants erzielten höheren Erträgen aufkamen. In der Folge wurde diese Differenz in „Small Cap-Effekt“ umbenannt, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass sich kleinere Unternehmen anders entwickeln als große und dabei teilweise hinter diesen zurückbleiben oder sie übertreffen.

Die schwache Wertentwicklung während der 1980er- und 1990er-Jahre war aber nicht allein eine Korrektur der starken Performance der vorherigen Jahre. Auch die Zusammensetzung der Small Cap-Indices veränderte sich. Die Globalisierung des verarbeitenden Gewerbes schlug sich auf die Anlagelandschaft nieder. Die Industrieproduktion verlagerte sich von den Industrie- in die Schwellenländer. Und zunehmend waren auch Unternehmen des eigentlich an Bedeutung verlierenden verarbeitenden Gewerbes in Small Cap-Indizes vertreten.

Zudem vollzog sich die Erholung seit der Jahrhundertwende vor dem Hintergrund einer Verbesserung der Fundamentaldaten. Small Cap-Indizes haben von der starken Wertentwicklung bei Unternehmen profitiert, die sich die wachsenden Chancen aus dem technologischen Fortschritt zunutze gemacht haben.

Kleine Unternehmen – großes Anlageuniversum

Kleinere Unternehmen machen einen größeren Anteil am Weltindex aus als jedes einzelne Land, abgesehen von den USA. Sie verfügen darüber hinaus über eine höhere Gewichtung als alle Schwellenländer zusammen. Sie machen 14% des MSCI All Country (AC) World IMI Index aus.2 Dieser Index umfasst 99% aller globalen Aktien - über 23 Industrie- und 24 Schwellenländer hinweg und unter Einschluss von Large- sowie Small Cap-Titeln.

Auch ihre absolute Zahl fällt hoch aus. Aufgeteilt nach Unternehmensgröße weist der MSCI AC WI Small Cap Index 5.967 Unternehmen auf. Im Vergleich dazu setzt sich der MSCI AC World Index (Large- und Mid Cap-Aktien) aus nur 2.758 Titeln zusammen.

Abbildung 2: MSCI All Country World IMI Index, nach Marktkapitalisierung

Quelle: MSCI

 

Abbildung 3: MSCI All Country World IMI Index, nach Anzahl der Unternehmen im Index

Quelle: MSCI

Small Cap-Prämie – ein globaler Blickwinkel

Rolf Banz, ein Doktorand an der Universität Chicago, war der erste, der die Small-Cap-Prämie bei US-Aktien 1981 entdeckte.3 Dies führte zu ähnlichen Studien rund um den Globus. In einer 2018 durchgeführten Untersuchung verliehen die Professoren Dimson, Marsh und Evans von der London Business School diesem Aspekt einen globalen Blickwinkel.4 Ihren Berechnungen zufolge belief sich die Small Cap-Prämie für die 28 größten Länder im FTSE World Index zwischen 2000 und 2018 auf 5% pro Jahr. Kleinere Unternehmen schnitten dabei in 25 der 28 Länder überdurchschnittlich ab (vgl. Abb. 4)

 

Abbildung 4: Prämie von Small Caps weltweit von 2000 bis 2018 nach Ländern

 

Quelle: Scott Evans, Paul Marsh und Elroy Dimson, Numis Smaller Companies Index 2019 Annual Review

Small Cap-Effekt – die Risiken verstehen

Erfolgreiche Anlagen in Small Caps setzen ein fundiertes Verständnis ihrer Risiken und der potenziellen Mehrerträge, die sie bieten, voraus.

Die Small Cap-Prämie lässt sich im Wesentlichen dadurch erklären, dass die Aktien kleinerer Unternehmen ein höheres Risiko bergen. Die Erträge fallen zwar höher aus, gleichwohl gilt dies aber auch für die Ertragsvolatilität. Auch ein Engagement in einen Small Cap-Index hat seine Kehrseite. Erfolgreiche Anlagen setzen ein fundiertes Verständnis dieser Risiken und der potenziellen Mehrerträge, die sie bieten, voraus.


1 Professors Dimson, Marsh, Staunton and Evans, London Business School, CRSP, Morningstar, 2018.

2 MSCI Indices Factsheets.

3 Rolf Banz (1980), The relationship between return and market value of common stocks, Journal of Financial Economics.

4 Scott Evans, Paul Marsh, Elroy Dimson (2019); Numis Smaller Companies Index 2019 Annual Review.

Risikohinweis
Risikohinweis - Der Kapitalwert von Anlagen und die durch die Investitionen erzielten Erträge können sowohl steigen als auch fallen. Möglicherweise erhält ein Anleger nicht den vollen Betrag seiner Investition zurück.