Versicherungsumfrage für den asiatisch-pazifischen Raum

Ursprünglich im Oktober 2017 publiziert

Die zwei Kräfte, die die Versicherungsindustrie umgestalten

Zusammenfassung

Die globale Versicherungsindustrie wird von zwei Kräften umgestaltet: historisch tiefe Zinssätze und die Modernisierung der Regulierungssysteme. In den vergangenen zwei Jahren fokussierten wir unsere Untersuchung auf die europäische Versicherungsindustrie im Vorfeld der Einführung von Solvency II und wenden uns nun dem asiatisch-pazifischen Raum zu. Standard Life Investments gab diese vertiefte Studie in Auftrag, um die neuesten Trends zu identifizieren, die die asiatisch-pazifische Versicherungsunternehmen beeinflussen und Auswirkungen auf deren Anlagestrategien haben. Wir identifizieren den Druck auf die traditionellen Geschäftsmodelle und analysieren die Anlageimplikationen.

Die Untersuchung richtete sich an Chief Investment Officers, Chief Risk Officers und Heads of Investment in sechs Märkten im asiatisch-pazifischen Raum. Diese Märkte haben alle ausgeprägte Merkmale und befinden sich in unterschiedlichen Reifestadien. Die Anlagen, die von den Befragten verwaltet werden, betragen zusammen mehr als $4 Billionen, was etwa 60 % des gesamten Versicherungsmarkts im asiatisch-pazifischen Raum entspricht.

Die Studie identifizierte fünf Themen, die die Branche formen und die Art, wie Anlagen verwaltet werden, beeinflussen werden.

Thema 1: Auf die Lücke achten!

Eine Anzahl von Versicherungsmärkten im asiatisch-pazifischen Raum sieht sich sofortigen Anlagerenditedefiziten gegenüber. Garantierte Produkte machen 51 % des Anlagenmix von befragten Versicherern aus. Während ein Wandel zu anlagegebundenen Produkten in Gange ist, stehen alle noch vor den Herausforderungen von tiefen Kapitalmarktzinsen.

  • Versicherer in Japan, Südkorea und Taiwan erleben eine unmittelbare Renditelücke und die Anlagerendite ist unzureichend, um die Versprechen gegenüber Endkunden zu erfüllen.
  • Versicherer im asiatisch-pazifischen Raum erleben ein Asset-Liability-Mismatch in beide Richtungen: Kurzfristige Verbindlichkeiten, die durch längerfristige Anlagen abgesichert sind, und umgekehrt. Regulatorische Änderungen bedeuten, dass diese Missverhältnisse adressiert werden müssen. Dies ist insbesondere eine Herausforderung für Versicherer in China und Hongkong, die starke Rendite aus liquiden Anlagen erzielt haben.

Thema 2: Die Doppelrolle der Alternativen

Versicherer tendieren dazu, ihre Beteiligung an alternativen Anlagen zu erhöhen, während das Engagement in einheimischen festverzinslichen Wertpapieren reduziert wird. Alternative Anlagen bieten nicht nur höhere erwartete Renditen, sondern umfassen längerfristige Anlagen, die besser zu den langfristigen Verpflichtungen passen.

  • Bargeld, Bankeinlagen und festverzinsliche Papiere machen rund 71 % der gesamten investierten Anlagen aus, aber unsere Untersuchung weist stark auf einen wesentlichen Wandel in der Vermögensallokation hin.
  • 78 % der Versicherer neigen dazu, die Beteiligung in Infrastruktur zu erhöhen, 75 % dazu, mehr in Private Equity zu investieren und 64 % tragen sich mit dem Gedanken, Immobilien aufzustocken. Festverzinsliche Infrastrukturinvestments wurde als Anlage hervorgehoben, die höhere Erträge und längere Laufzeiten ermöglicht.
  • Im Allgemeinen brauchen Solvabilitätssysteme weniger Kapitalanforderungen im Vergleich zu Europa, wenn in alternative Anlagen investiert wird. Auf jeden Fall streben Versicherer oft höhere Renditen über alternative Anlagen an, selbst wenn höhere Kapitalbelastungen notwendig sind.

Thema 3: Globale Chancen, lokale Herausforderungen

Versicherer neigen dazu, internationale Allokationen zu erhöhen, um höhere Renditen, eine bessere Übereinstimmung mit der Laufzeit der Verbindlichkeiten und eine bessere Diversifikation zu erzielen. Sie müssen die Hürden der Währungsabsicherungskosten, regulatorischen Bestimmungen und fehlenden eigenen Ressourcen überwinden.

  • 78 % der befragten Versicherer möchten die internationalen Anlagen in den nächsten drei bis fünf Jahren erhöhen.
  • 61 % gaben an, dass Absicherungskosten die primäre Hürde darstellen, um internationale Allokoationen zu erhöhen.

Thema 4: Vertrauen in externe Manager?

Befragte neigen dazu, die Allokation in jene Anlageklassen zu erhöhen, bei denen die Nutzung externer Manager am höchsten ist: Alternative Anlagen und internationale Aktienmärkte. Doch die Umfrage hat auch Hürden identifiziert – echte und wahrgenommene – um die Allokation in externen Managern zu steigern.

  • Befragte waren der Meinung, dass externe Asset Manager gute Arbeit leisten, wobei 68 % aussagten, dass externe Manager Ihre Erwartungen erfüllen.
  • 76 % gaben an, dass die zunehmende Allokation in alternativen Anlagen zu einer stärkeren Nutzung externer Asset Manager führen wird.
  • Aber die Interviews zeigten auch, dass externe Manager mehr leisten müssen, um Vertrauen aufzubauen: hohes Alpha liefern, Kenntnisse von einheimischen regulatorischen Bestimmungen aufweisen und wertvolle Anlageinformationen bereitstellen.

Thema 5 – Anlagerisiko ausgesetzt

Die Modernisierung der Regulierungssysteme führt zu höherer Risikotransparenz. Das hat sowohl einen Einfluss auf die Erfolgsrechnung wie auch auf die Bilanz der Versicherungsunternehmen. Das führt zu einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Versicherungsexperten und den Anlagekollegen, um die optimale Anlagestrategie zu erreichen.

  • Die Herausforderungen steigen, wenn eine Trennung zwischen Buchhaltungs- und Solvency-Standards erfolgt, da beide von buchbasierten zu marktbasierten Modellen übergehen.
  • 89 % der befragten Versicherer gaben an, dass sie eine engere Zusammenarbeit zwischen versicherungsmathematischen Teams und Anlageteams benötigen.

Untersuchungsergebnisse – Schlüsselstatistiken

Asiatisch-pazifische Umfrage

Untersuchungsergebnisse – Schlüsselstatistiken

„Wir legen bis zu 50 % in japanische Regierungsanleihen an, deshalb war es schwierig, die Renditeziele und Garantien zu erfüllen“
Japanischer Lebensversicherer

„Das tiefe Zinsumfeld hat die Attraktivität der Garantien gesenkt und erzwingt einen Wechsel zu anlagegebundenen Produkten“
Taiwanesischer Lebensversicherer

„Die Erfüllung bestehender Garantien ist kein Problem, aber neue Garantien wettbewerbsfähig anzubieten, wird in Zukunft schwierig sein“
Chinesischer Lebensversicherer

„Versicherer bieten offensiv Produkte mit hoher Rendite und kürzerer Laufzeit an“
Chinesischer Lebensversicherer

„Das begrenzte Angebot an längerfristigen japanischen Regierungsanleihen fördert den Wechsel zu festverzinslichen Infrastrukturanlagen mit längerer Laufzeit“
Japanischer Lebensversicherer

„Wir wollen die Allokation in alternative Anlagen erhöhen, aber uns fehlen derzeit die Kapazitäten, diese intern zu verwalten“
Südkoreanischer Versicherer

„Wir sind der Meinung, dass der Renminbi weiter abwerten wird, weshalb Offshore-Anlagen höhere Erträge bringen könnten; wir werden unsere Engagements nicht absichern“
Chinesischer Versicherer

„Performance zu verstehen ist die größte Schranke, um externe Manager zu nutzen“
Lebensversicherer aus Hongkong

„Würden wir Anlagen passiv verwalten wollen, wäre kein externer Manager nötig“
Chinesischer Lebensversicherer.

„Externe Manager wissen sehr wenig über die Bestimmungen und wir müssen sie entsprechend soweit bringen, nicht andersherum“
Chinesischer Lebensversicherer

Quelle: Erkenntnisse der Standard Life Investments Umfrage 2017 für den asiatisch-pazifischen Raum

Schlussfolgerungen

Unsere Umfrage fasst Ansichten der von uns befragten Teilnehmer in der asiatisch-pazifischen Versicherungsbranche in fünf Themen zusammen. Unseres Erachtens werden diese Themen die Branche in den kommenden Jahren verändern.

Fünf Themen, eine Geschichte

Versicherer sehen sich vor zunehmend schwierigen Bedingungen für Investments. Tiefere Anleihen- und Barrenditen machen es schwierig, die Renditen zu erzielen, die für garantierte Renditen notwendig sind. Gleichzeitig sorgen veränderte Bestimmungen für Asset-Liability-Mismatches in den aktuellen Anlagestrategien (Thema 1). Das führt dazu, dass Versicherer höhere Renditen und längere Laufzeiten über alternative Anlagen und in globalen Märkten suchen (Thema 2 und 3). Externe Asset Manager können dabei helfen, Lücken in diesen Bereichen zu füllen, aber es gibt Hürden zu überwinden, sowohl echte wie auch angenommene (Thema 4). Bestimmungen werden weltweit modernisiert und führen zu höherer Risikotransparenz. Das hat Auswirkungen auf Anlagen und führt dazu, dass eine stärkere Zusammenarbeit zwischen versicherungsmathematischen Teams und Anlageteams, sowohl intern wie extern, notwendig ist (Thema 5). Das führt zu einer grundlegenden Änderung der Art und Weise, wie Anlageentscheidungen getroffen werden.

Branche im Wandel

Höhere Risikotransparenz beeinflusst sowohl den Anlageansatz wie auch das Geschäftsmodell der Versicherer. Anlageportfolios müssen ergebnisiorientierter sein und einen stärkeren Fokus auf die Risikosteuerung legen. Aus geschäftlicher Sicht hat dies einen Wechsel von garantierten Renditeprodukten zu anlagegebundenen Spareinlagen zur Folge. Das führt zu drei zentralen Herausforderungen für die Branche, die für die Umfrage implizit sind.

Risse in der Wahrnehmung der Renditelücke?

In unseren Interviews erkannten Investoren die Herausforderungen, Renditen in einem Umfeld niedriger Anleihrenditen zu erzielen. Das kommt nicht nur daher, weil Anfangsrenditen tiefer sind, sondern auch, weil die Renditen durch eine Neubewertung an Aktien- und Anleihenmärkten beflügelt wurden. Dies sollte in künftigen Renditen nicht extrapoliert werden. Umfrageteilnehmer gaben jedoch an, dass die erwarteten Renditen weitgehend mit historischen Renditen im Einklang sind. Konkurrenzdruck bedeutet, dass garantierte Renditen nicht so schnell reduziert wurden wie Anleiherenditen. Das erhöht die Anlageherausforderungen – und die Wahrscheinlichkeit, dass Renditen hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Das Outsourcing-Rätsel lösen?

Versicherer sind offen dafür, Anlagemöglichkeiten in alternativen Anlagen und internationalen Aktien zu nutzen. Möglicherweise fehlt ihnen das interne Wissen dazu und sie beauftragen deshalb externe Manager. Sie können aber auch resistent gegen die stärkere Nutzung externer Manager sein. Dies steht im Gegensatz zu unserer europäischen Umfrage, in der zwar die Ansichten zur Vermögensallokation gleich waren, aber die Akzeptanz vorhanden war, dass dies bedeutet, mehr Anlagen über externe Manager zu verwalten. Einige Versicherer gaben an, möglicherweise intern Kapazitäten aufzubauen, aber dies ist zeitaufwendig und kostet. Besonders das Anlegen in Private Equity, Immobilien und Infrastruktur erfordert Spezialistenwissen, allein, um auf die Anlagen zuzugreifen, geschweige denn, um Wert zu erzielen. Die Ausgestaltung der Branche hängt davon ab, ob Versicherer sich dazu entscheiden, mehr auszulagern, eigene Teams aufzubauen oder auf Chancen in alternativen oder internationalen Anlagen zu verzichten.

Das fehlende Glied?

Die Umfrage beleuchtet das Bedürfnis nach stärkerer Zusammenarbeit zwischen Anlage- und Versicherungsteams. Sie beleuchtet ebenfalls das Bedürfnis nach stärkerer Zusammenarbeit zwischen internen und externen Managern, um Vertrauen aufzubauen. Vor allem müssen externe Manager zeigen, dass sie die inländischen Marktanforderungen verstehen. Für uns bedeutet das, dass jene externen Asset Manager Erfolg haben werden, die auch selbst Versicherungswissen haben, um die von den Versicherern in dieser Umfrage aufgebrachten Bedenken zu adressieren. Sie verstehen die Feinheiten der Investments von Versicherern in diesen Märkten in der Praxis. Indem Anleger und Versicherungsmathematiker intern und extern zusammengebracht werden, finden Versicherer eher die richtige Lösung für ihre Anlageherausforderungen.

Risikohinweis
Risikohinweis - Der Kapitalwert von Anlagen und die durch die Investitionen erzielten Erträge können sowohl steigen als auch fallen. Möglicherweise erhält ein Anleger nicht den vollen Betrag seiner Investition zurück.