Die Renditelücke bei der Asset-Allokation überbrücken

Ursprünglich im Januar 2018 publiziert

Niederschrift zur Umfrage im asiatisch-pazifischen Raum

Zusammenfassung

Einführung

2016 hat Standard Life Investments eine Studie in Auftrag gegeben, um Trends zu identifizieren, die die asiatisch-pazifischen Versicherungen beeinflussen. Die untersuchten Unternehmen stellen schätzungsweise 60% des gesamten Versicherungsmarktes dar.

Diese Studie untersucht die Herausforderungen für die traditionellen Geschäftsmodelle und analysiert die Auswirkungen auf das Investitionsverhalten.

Die Studie wurde in sechs Regionen im asiatisch-pazifischen Raum durchgeführt, die sowohl in Bezug auf die Grösse als auch den Reifegrad der Branche ausgewählt wurden. NMG, ein unabhängiges globales Forschungsinstitut, führte rund einstündige, persönliche Interviews mit 51 Führungskräften im 1. Quartal 2017 durch.

Die asiatisch-pazifischen Versicherer verschieben ihre Asset-Allokation aufgrund von zwei Faktoren: tiefe Zinssätze und veränderte Vorschriften. Die asiatisch-pazifischen Versicherer identifizierten eine Renditelücke zwischen garantierten verkauften Produkten und der Anlagerendite, um für diese garantierten Renditen zu bezahlen.

Dieses Papier kombiniert zehnjährige Renditeprognosen mit der Asset-Allokations-Information aus der Umfrage, um den Umfang des Problems zu quantifizieren. Wir betrachten die Asset-Allokations-Strategien, die Versicherer anwenden können, um diese Lücke zu schliessen. Wir betrachten auch die Grenzen, die überwunden werden müssen, bevor diese Strategien übernommen werden können.

Zusammenfassung

Renditen aus Staatsanleihen sind im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten an einen Tiefpunkt gelangt. Die Befragten der asiatisch-pazifischen Versicherungsstudie stellen rund 60 % des asiatisch-pazifischen Versicherungsmarktes dar und mehr als die Hälfte ihrer Anlagen bestehen aus fest verzinslichen Wertpapieren.

Diese tiefen Erträge zeigen, dass Versicherungsunternehmen damit kämpfen, ausreichende Rendite für ihre Anlagen zu erzielen, um einen Gewinn auf ihren garantierten Renditeprodukten zu erzielen. Gleichzeitig zwingen die sich ändernden regulierenden Bestimmungen die Versicherungsunternehmen, jene Risiken zu erkennen, die diese Renditelücken verursachen. Das zwingt die Versicherer, ihre Asset-Allokations-Strategien zu überdenken.

Wenn wir beispielsweise unsere erwartete 10-Jahres-Rendite auf die aktuelle Asset-Allokation der japanischen Umfrageteilnehmer anwenden, erzielen diese eine erwartete Rendite von 1,8 % pro Jahr. Das ist die Rendite vor Absicherungskosten und Fond-Managementgebühren. Die Umfrage zeigt, dass die durchschnittliche garantierte Rendite für Passiva mit längerer Gültigkeitsdauer in Japan 1,7 % betrug.

Die asiatisch-pazifischen Versicherer beabsichtigen, ihre Gefährdung in alternative Anlagen und globale Aktien aufzustocken, und gleichzeitig sie für. inländischen Anleihen zu senken. Diese Anlagen liefern nicht nur eine höhere zu erwartende Rendite, sondern umfassen auch Aktiva mit einer längeren Gültigkeitsdauer, die besser zu Passiva mit einer längeren Gültigkeitsdauer passen.

Die Versicherer müssen eine Reihe von Grenzen überwinden, bevor Sie ihre Strategie umsetzen können. Zu den Hindernissen zählen Absicherungskosten, regulierende Grenzen und Lücken bei internen Fähigkeiten.

Externe Manager können Versicherern beim Überbrücken der Renditelücken helfen. Allerdings ergab sich aus unserer Umfrage, dass externe Manager anfangs sich sehr bemühen müssen, um Vertrauen aufzubauen.

Der heute länger andauernde Tiefzinszustand beschäftigt die asiatisch-pazifischen Versicherungen weiterhin. Für die Chief Investment Officers (CIOs) der Region bleibt die Asset-Allokation eine grosse Herausforderung.

Während tiefe Zinsen die Profitabilität aller Versicherungen beeinflussen können, steht dieses Thema für die Bücher der Lebensversicherungspolizzen besonders im Vordergrund, da diese minimale langfristig garantierte Renditen enthalten, die zu einem Zeitpunkt geschrieben wurden, als die Zinssätze noch beträchtlich höher waren. Das bringt die CIO's in ein Dilemma.

Die Herausforderung der tiefen Zinsen und langfristige Garantien ist ein ständiger Begleiter im globalen Lebensversicherungssektor, wie die Ergebnisse der asiatisch-pazifischen Versicherungsstudie von Standard Life Investments zeigen.

Die Herausforderungen der tiefen Zinssätze weichen im asiatisch-pazifischen Raum beträchtlich, alllerdings befinden sich alle Volkswirtschaften inmitten eines besonderen, Jahrzehnte lang andauernden Zeitraumes von über die Jahre hinweg sinkenden Renditen.

Verschiedene 'Tiefen' in asiatisch-pazifischen

Volkswirtschaften sind durch langfristige alte Lebensversicherungsgeschäfte unterschiedlicher Grössen und Formen gekennzeichnet, wobei die langfristigen Zinssätze in der Region sich heute auf unterschiedlich tiefem Niveaus befinden. Die Umfrageanalyse zeigt, dass der Lebensversicherungssektor in Südkorea, Japan und Taiwan tiefe Zinssätze und langfristige Garantien im Vergleich zu den aktuellen Verhältnissen in einigen Volkswirtschaften in Nordeuropa erfährt.

Im aktuellen makroökonomischen Tiefzinsumfeld stellen die Ebenen der Kurzfristzinsen und vor allem die noch nie dagewesenen Fälle von Währungen, die die bisher angenommenen Nullzinssätze brechen und zu negativen Kurzfristzinsen führen, eine Herausforderung für Investoren dar.

Aber für Geschäfte mit Passiva mit längerer Gültigkeitsdauer, die mit einem Rückgang der Nettoverbindlichkeit geführt werden, zählt vor allem das Verhalten am langen Ende der Renditekurve. Grafik 1 zeigt den Verlauf der langfristigen Zinssätze auf den befragten Märkten. Dabei sieht man, dass sich einige Volkswirtschaften mitten in einem aussergewöhnlichen, Jahrzehnte lang andauernden Zeitraumes von sinkenden Renditen befinden.

Für Lebensversicherungsunternehmen, die typischerweise Portfolios mit Anleihen mit einer Laufzeit haben, die in der Regel einige Jahre kürzer als die Gültigkeitsdauer ihrer garantierten Passivgeldflüsse ist zeigt dieses makroökonomische Ergebnis die Realität eines schweren Stressszenarios, das sich über Jahrzehnte erstreck.

Langfristige Zinssätze in ausgewählten asiatisch-pazifischen Märkten (1986-2016)

Effektive, erwartete und unerwartete Rendite

Es besteht eine beträchtliche Abweichung in den Asset-Allokationstendenzen im asiatisch-pazifischen Raum. In Grafik 2 sind alle Allokationen durch eine Dominanz von festverzinslichen Anlagen gekennzeichnet und im Schnitt wurden zwei Drittel der Anlagen in der Region in eine Art festverzinslichee Anleihen investiert. Was könnte in Anbetracht dessen die erwartete Anlagerendite langfristig sein?

Die aktuelle Asset-Allokation der Versicherungsfirmen im asiatisch-pazifischen Raum

Als aufschlussreiches Beispiel nehmen wir Japan. Grafik 3 zeigt die erwartete Rendite für einen japanischen Investor für 10 Jahre (in lokaler Währung), der in jeder der Anlageklassenkategorien investiert, die in Grafik 2 aufgeführt ist. Dabei handelt es sich um kurzfristige Schätzungen vom Strategie Team 1 der Aberdeen Asset Management Company Limited.

10-Jahre erwartete Anlagerendite (japanischer Yen, Währung abgesichert)

Die aktuelle Asset-Allokation und die langfristige Anlagerendite wie oben dargestellt zeigt, dass die erwartete 10-Jahres-Rendite für Anlageportfolios für japanische Versicherer 1.8 % pro Jahr beträgt. Interessant ist, dass dies dem Durchschnitt von 1.6 % entspricht, den die japanischen CIOs der Versicherungen als Antwort auf eine Frage im Rahmen der Umfrage zur erwarteten Rendite ihres Portfolios geschätzt hatten. Der leichte Unterschied könnte die Ansicht der CIOs in Bezug auf die Währungsabsicherungskosten und andere Portfoliomanagementkosten darstellen, die in unserer erwarteten Rendite für die Anlageklasse mit langer Gültigkeitsdauer nicht enthalten sind und wohl weniger mit einer anderen relevanten Ansicht der prognostizierten Rendite gemeinsam hat.

1 Langfristig orientierte Prognose, GB Ausgabe, Dezember 2017
2 Angenommen, dass die Kategorie Alternative eine erwartete Rendite von 4.1 % hat und dass die Kategorie Andere in der Asset-Allokation der Umfrage in Alternativen investiert wird.

Wird die Renditelücke kleiner?

Die Umfrage zeigt, dass die durchschnittlich garantierte Rendite für Passiva mit einer längeren Gültigkeitsdauer in Japan 1.7 % ausmacht. Die Analyse oben zeigt, dass zur Zeit keine bemerkenswerte Lücke zwischen den langfristig orientierten erwarteten Anlageportfoliorenditen und diesen langfristigen minimalen Renditen besteht, die die Polizzeninhaber garantieren.

Trotzdem zeigen diese Ergebnisse, dass sich die Portfolios nicht innerhalb der komfortablen Überrenditenspanne befinden, die ursprünglich geplant war, als der Großteil des Geschäfts geschrieben wurde. Beabsichtigen die CIOs, ihre Portfolio-Strategie für die Asset-Allokation anzupassen, um die Lücke zu überbrücken?

Die Ergebnisse sind ziemlich verblüffend - Versicherer beabsichtigen, ihre Bealstung in alternativen Anlagen aufzustocken (Grafik 4). Das Tiefzinsumfeld bewirkt einen Wechsel von traditionellen inländischen Anlagegütern zu einer breiteren Strategie mit höheren Erträgen.

Es gibt historische Präzedenzfälle für Perioden mit langen, ständig sinkenden Zinssätzen, auf die innovative Anlagestrategien von Lebensversicherern folgen. So war beispielsweise im 19. Jahrhundert die lange Periode sinkender Zinssätze in den Jahrzehnten nach den napoleonischen Kriegen von einem ähnlichen Trend begleitet, als britische Lebensversicherungsanstalten einen Teil der Giltsbeteiligungen in private Kredite und Hypotheken umlegten.

In der regulierten Landschaft im asiatisch-pazifischen Raum ist der langsame aber stetige Wechsel Richtung grundsatzbezogenen und risikosensibleren Systeme zentral, um diesen Wechsel in der Asset-Allokation vorzunehmen. Alle Volkswirtschaften in Grafik 4 machten bzw. sind gerade dabei, wesentliche Veränderungen in der regulierenden Überwachung der Versicherungsfirmen vorzunehmen. Diese wollen die Risikosensibilität der regulierenden Kapitalbewertung erhöhen. Mit diesem Wechsel können Versicherer in breitere Anlagetypen und Strategien ohne regulierende Kapitalbelastungen investieren, die sich als unverhältnismässig zum erzeugten Risiko erweisen.

 

Die Absicht der Asset-Allokation der Versicherungsfirmen im asiatisch-pazifischen Raum

Diese Asset-Allokationspläne können erwartete Renditen verbessern bzw. Kapitalanforderungen in einem risikosensiblen System verbessern.

  • Der Wechsel von inländischen Staatsanleihen zu einer Reihe risikoreicheren Anlagen widerspiegelt eine Steigerung des Appetits in Anlagen mit höherem Risiko, da dabei eine höhere Portfoliorendite erzielt wird.. Doch die Tendenz der Versicherer ist nach wie vor sehr kapitalsensibel, wobei dieser Wechsel zu noch mehr Risiko durch die gleichzeitig strengeren regulierenden Kapitalanforderungen eingeschränkt wird.
  • Die Bealstung zu neuen Anlageklassen, die eine Diversifikation mit traditionellen Anlageklassen von Versicherern bietet, kann die erwarteten Renditen verbessern, ohne das Portfoliorisiko ganzheitlich maßgeblich zu erhöhen. Festverzinsliche Anlagen im Ausland, Anlagen globaler Aktien und alternativer Anlagen könnten als Risiko-Diversifikationsvorteile betrachtet werden. Dieses Diversifikationsprinzip wird bei risikosensibleren regulatorischen Kapitalansätzen immer wichtiger, die viele oder alle Portfolio-Diversifikationsvorteile in der Kapitalbewertung anerkennen.
  • Der Wechsel von liquiden zu illiquiden Anlagen auf einer risikoäquivalenten Basis kann höhere Renditen bringen ohne dass ein höheres Markt- oder Kreditrisiko besteht. Das ist ein zwingendes Vorhaben für Lebensversicherer, wo es nicht erforderlich ist, dass alle Passiva von sämtlichen Vermögenswerten gestützt werden, um liquid zu sein. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Ablaufen von Polizzen nicht möglich ist oder wenn sehr voraussagbare Sätze erfolgen. Der Wechsel zu Infrastruktur, Immobilien und Private Equity kann von dieser Perspektive betrachtet werden - obwohl der geschätzte Liquiditätsaufschlag auf Angeboten in der Regel von der Anlageklasse und der Zeit abhängt.

Neue Strategien für Allokations-Wechsel

Die Befragten der asiatisch-pazifischen Umfrage bemerkten, dass sie die Hindernisse und Herausforderungen (s. Beispiele unten) überwinden müssen, um die Herausforderungen in der Asset-Allokation erfolgreich zu implementieren.

  • Regulatorische oder rechtliche Einschränkungen. Verschiedene regionale Volkswirtschaften inklusive Taiwan und Südkorea haben hinsichtlich des Anteils der Anlagen regulatorische bzw. rechtliche Einschränkungen, die die Versicherungen in ausländischen Märkten investieren können. Viele der Anlagenklassenwechsel in Grafik 4 werden unausweichlich eine Erhöhung der Allokation in ausländische Anlagen nach sich ziehen. Das gilt vor allem für globale Anlagen und ausländische festverzinsliche Allokationen zu. Das trifft ausserdem auch auf alternative Anlagen wie Infrastruktur und Private Equity zu, die möglicherweise im Inland nicht in der erforderlichen Form und Größe für die maßgebliche institutionelle Versicherungsanlage bereitstehen.

    Es wird erwartet, dass diese ausländischen Anlageeinschränkungen in den kommenden Jahren gelockert werden könnten, aber natürlich sind gewisse politische und regulatorische Risiken mit dieser Erwartung verbunden.

  • Währungsrisiko. Das ist ein wichtiger Punkt für die asiatisch-pazifischen Versicherer, die vermehrt ausländische Asse-Allokationen nutzen. Die Implementierung von Währungsabsicherung kann für viele regionale Währungen schwierig und teuer sein. Dies wird möglicherweise noch durch die illiquide und risikoreiche Natur der ausländischen Vermögenswerte verstärkt, wodurch es unwahrscheinlich wird, dass sie für die Verwendung als Sicherheit für Währungsderivatpositionen geeignet sind, die als Absicherung dienen. Aber einige Versicherungen neigen möglicherweise dazu, gewisse Währungsbelastungen nicht abzusichern und das Währungsrisiko als legitime Quelle für Anlagerenditen zu betrachten, wenn der Versicherer erwartet, dass die Landeswährung abgewertet wird.

    Eine solche nicht abgesicherte Währungsbelastung ist allerdings sehr kapitalintensiv.

  • Neue Fertigkeiten und Fähigkeiten. Es ist auch wichtig anzuerkennen, dass das Anlegen in unbekannte Anlageklassen den Versicherer zwingt, neue Fähigkeiten und Expertise zu erhalten. Selbst wenn die Verwaltung der Anlageklasse an einen externen Asset Manager vergeben wird, ist es trotz allem für den Versicherer zentral, die internen Fertigkeiten zu haben, um die Aufgabe entsprechend dem Manager zu delegieren. Sie müssen das richtige Mandat bestimmen und in der Lage sein, die Leistung zu überwachen.

    Für die Versicherung wird es auch wichtig sein, die Risikomaßnahmen und den Bewertungsmodellierungsprozess zu entwickeln, der genau die spezifischen Merkmale dieser ausgeprägten Anlageklassen erfasst. Das muss auf eine genügend granularen Art geschehen, um eine regulatorische Kapitalbehandlung zu erzielen, die mit der Risikoebene der Anlage übereinstimmt. Ohne solche Fertigkeiten und Fähigkeiten ziehen Versicherer zu Recht wichtige Herausforderungen von ihren Regulatoren an.

  • Zusammenarbeit mit externen Managern? Ein Asset Manager, der mit dem Detailgrad und der Transparenz vertraut ist, die die Versicherer für ihr Portfolio und die Risikomerkmale für die moderne grundsatzbezogenen Kapitalanlagebewertung brauchen, kann eine wichtige unterstützende Rolle im Kapitalbewertungsprozess wahrnehmen.

    Die praktischen Herausforderungen verlangen eine sorgfältige Betrachtung und ein Engagement seitens der Versicherungsunternehmen, allerdings stellt der Wechsel zu einem grundsatzbasierten und risikosensiblen Kapitalsystem eine Chance für die Anlagestrategieinnovation dar. Dies öffnet Möglichkeiten zu einer Reihe von Anlageklassen mit höherer Rendite. Das ist eine Option, die die Lebensversicherungsindustrie im heutigen makroökonomischen Tiefzinsumfeld im asiatisch-pazifischen Raum kaum ignorieren kann.

Risikohinweis
Risikohinweis - Der Kapitalwert von Anlagen und die durch die Investitionen erzielten Erträge können sowohl steigen als auch fallen. Möglicherweise erhält ein Anleger nicht den vollen Betrag seiner Investition zurück.