Optimal Matching Adjustment |ASI|

Ursprünglich im Februar 2015 publiziert

Die optimale Zusammensetzung eines Matching-Adjustment-Portfolios nach Solvency II

Einführung

Kurz vor der Umstellung auf Solvency II, die im Januar 2016 erfolgen wird, sind europäische Versicherer darauf bedacht, ihre Vermögensportfolios an diese richtungsweisende EU-Richtlinie anzupassen.

Ein wichtiger Bestandteil dieser Richtlinie sind Massnahmen zur Bewertung langfristiger Garantien (LTG-Massnahmen), die von Versicherern eine aktive Entscheidung über die Anwendung von Optionen für ihre langfristigen garantierten Einlagengeschäfte verlangen.

Eine dieser Optionen, die Matching-Anpassung (MA), setzt den Diskontierungssatz als risikobereinigte Rendite aus den Anlagen fest, mit denen Verbindlichkeiten aus dem Versicherungsgeschäft innerhalb des Portfolios gedeckt werden. Die Anpassung gilt hauptsächlich für Annuitäten, wie sie in Grossbritannien üblich sind.

Es ist bekannt, dass die Berechnung der MA komplex ist und für viele Versicherer ein wichtiges Thema sein wird. Dennoch sind wir der Auffassung, dass auch die Optimierung von Asset-Allokationen durch die Matching-Anpassung berücksichtigt werden sollte. Im Nachfolgenden untersuchen wir die Vorteile, die Versicherer aus der aktiven Zusammenstellung von Matching-Adjustment-Portfolios ziehen können.

In diesem Artikel formulieren wir die grundlegenden Probleme, die mit der Berechnung der MA sowie der Zusammenstellung eines optimalen Matching-Adjustment-Portfolios einhergehen. Des Weiteren zeigen wir in einer hochwertigen Fallstudie, wie diese Probleme bewältigt werden, um optimale MA-Asset-Allokationen zu ermöglichen. Allem voran führen wir die Vorteile auf, die sowohl der Barwert der im Rahmen der Vertragserfüllung anfallenden Zahlungsströme (BEL) als auch die Solvenzkapitalanforderungen (SCR) mit sich bringen.

Die Zusammenstellung eines optimalen Matching-Adjustment-Portfolios ist zwar komplex, jedoch bietet ein solches Portfolio grosse Vorteile und verdient somit die besondere Aufmerksamkeit der Versicherer.

Hintergrund

Nach jahrelanger Verzögerung und politischen Auseinandersetzungen wurde die Solvency II/Omnibus 2-Richtlinie im Frühjahr 2014 von der EU verabschiedet. Dabei legte Omnibus 2 den 1. Januar 2016 als Einführungsdatum von Solvency II fest und gab weitere Einzelheiten zu den LTG-Massnahmen bekannt. Damit sollte es Versicherern ermöglicht werden, weiterhin langfristige Spar- und Rentenprodukte anzubieten, die für sie eine Form von Investitionsgarantie darstellen. Gleichzeitig lieferte die Richtlinie ein angemessen vorsichtiges Solvency II-Regulierungssystem.

Wie die LTG-Massnahmen in der Praxis tatsächlich umgesetzt werden, steht jedoch immer noch nicht genau fest. Dies wird sich erst zeigen, wenn europäische Versicherer und Aufsichtsinstanzen mit der Umsetzung von Solvency II beginnen und die zahlreichen praktischen Probleme lösen, die sich dabei ergeben.

Die Vorteile der Matching-Anpassung

Ein äusserst wichtiger Bestandteil der LTG-Massnahmen ist die MA. Die MA ist ein Mass für zusätzliche Renditen, die die risikolosen Renditen übertreffen, welche Versicherer durch illiquide Aktivposten im Rahmen einer Buy-and-Maintain-Strategie erwirtschaften können, um illiquide Versicherungsverbindlichkeiten abzudecken.

Zu den illiquiden Aktivposten, auf die die MA ausgerichtet ist, zählen Infrastruktur, gewerbliche Hypotheken und direkte Darlehensvergaben an kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) – Vermögenswerte, die die europäischen Regierungen stark fördern, um das Wirtschaftswachstum in Europa zu unterstützen.

Da die Verbindlichkeiten von Versicherern oft stark illiquide sind (beispielsweise Annuitäten wie in Grossbritannien üblich), stellt dies für Versicherer eine gute Grundlage dar, um einmal gekaufte Anlagetitel im Bestand zu halten und somit die MA-Überschussrendite für solche illiquiden Aktivposten zu erwirtschaften.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Bilanzen von Versicherern bezüglich dieser Vermögenswerte unter Umständen keinem Kapital mit Spread-Risiko mehr ausgesetzt sind, wenn sie illiquide Aktivposten bis zur Fälligkeit halten. Die Eigenkapitalanforderungen für Versicherer sollten verringert werden, um dies zu berücksichtigen. In der Tat wird die Gefahr für Versicherer, in Zeiten notleidender Märkte illiquide Aktivposten verkaufen zu müssen, nachhaltig aus dem Weg geräumt.

Die Voraussetzungen für eine Matching-Anpassung und ihre Zulassung

Versicherer benötigen für die MA die Genehmigung ihrer Aufsichtsinstanz. Ausserdem müssen sie eine Anzahl an Kriterien für die Zulässigkeit von Vermögenswerten und die Anpassung von Zahlungsströmen erfüllen, bevor sie die MA anwenden dürfen. Im folgenden Abschnitt werden wir diese Anforderungen näher beschreiben.

Wir verweisen darauf, dass die Aufsichtsinstanzen ab dem 1. April 2015 Anträge von Versicherern auf die Anwendung einer MA entgegennehmen werden. Versicherer müssen bereits Matching-Adjustment-Portfolios zusammengestellt haben, um eine Genehmigung zu beantragen. Ausserdem wird die britische Prudential Regulatory Authority im Q1 2015 über ein Pre-Applications-Verfahren in Grossbritannien die Bereitschaft der Versicherer und ihre eigenen Genehmigungsverfahren testen.

Folglich stehen Versicherer unter Druck, sofort mit der Zusammenstellung ihrer Matching-Adjustment-Portfolios zu beginnen, um ab dem 1. April die Genehmigung ihrer Aufsichtsinstanz einholen zu können.

Optimale Matching-Adjustment-Portfolios — ein Optimierungsproblem mit Einschränkungen

Bei der Zusammenstellung eines optimalen und ordnungsgemässen Matching-Adjustment-Portfolios müssen sich Versicherer darüber im Klaren sein, was ihr letztendliches Ziel ist.

Dazu gehört, ob sie:

  • die Überschussrendite der Matching-Anpassung erhöhen (oder die versicherungstechnischen Rückstellungen von Solvency II effektiv senken) wollen.
  • Eigenkapitalanforderungen senken?
  • vorgegebene risikoadjustierte Performance-Masse optimieren wollen.

So liegt ihr Ziel beispielsweise in:

  • der Qualität der Anpassung von Zahlungsströmen
  • der Duration der Engagements
  • dem Engagement in Bonitätsbewertungen, Sektoren, Emittenten, einzelnen Anleihen, Währungen, Anleiheklassen
  • dem Verhalten des Vermögensportfolios, wenn es einem Credit-Spread-Belastungstest unterzogen wird.

Kurz gesagt ist die Optimierung von Asset-Allokationen ein äusserst komplexes Problem. Wir zeigen im Folgenden, dass wir dennoch erhebliche Vorteile für Versicherer sehen, die ein optimales Matching-Adjustment-Portfolio erstellen.

Anmerkung: Alle Einzelheiten zur Solvency II/Omnibus 2-Richtlinie können unter folgendem Link nachgelesen werden: http://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/PDF/?uri=CELEX:32014L0051&from=EN

Geschäftliche Probleme

Die geschäftlichen Probleme, die die MA mit sich bringt, werden in der sehr ausführlichen und spezifischen Solvency II-Regulierung klar definiert. Die Ausarbeitung von und Einigung auf diese Regulierung hat mehrere Jahre in Anspruch genommen. In diesem Abschnitt werden wir die geschäftlichen Probleme anhand einer Übersicht über die wichtigsten Paragrafen der Solvency II-Regulierungen schildern.

Artikel 77b der Omnibus 2-Richtlinie legt die verschiedenen Kriterien für die Zulässigkeit von MA-Vermögenswerten und die Geschäftssteuerung der MA dar, die für diesen Artikel relevant sind. In Artikel 77c wird erklärt, wie die MA berechnet werden soll.

Zwar sind in Omnibus 2 und andernorts in den umfangreichen Texten von Solvency II auch andere MA-Anforderungen enthalten, jedoch sind diese für den vorliegenden Artikel weniger relevant und werden daher nicht erörtert. Wir werden zum Beispiel nicht darauf eingehen, wie die MA in den internen Bewertungen des Risikos und der Solvabilität (ORSA) der Versicherer gehandhabt wird oder in welchem Masse ihre Auswirkungen offengelegt werden müssen.

Kriterien für die Zulässigkeit von Vermögenswerten und die Anpassung von Zahlungsströmen

In diesem Abschnitt werden wir die wichtigsten Kriterien erläutern, die ein Matching-Adjustment-Portfolio erfüllen muss, sowie die verschiedenen praktischen Schwierigkeiten und Einschränkungen, die diese Kriterien mit sich bringen.

Wir verweisen darauf, dass sich viele dieser Auflagen eher auf das Portfolio als auf individuelle Vermögenswerte beziehen, was ihre Erfüllung erleichtert. So können zum Beispiel variabel verzinsliche Vermögenswerte, die sonst nicht zulässig wären, mit Hilfe von Derivaten auf Portfolioebene in festverzinsliche Vermögenswerte umgetauscht werden. Somit sind dann auch variabel verzinsliche Vermögenswerte auf Portfolioebene zulässig.

Im Folgenden gehen wir auf die Hauptkriterien ein.

  • Zahlungsströme müssen nominal fixiert oder nach der Inflation gerichtet sein. Des Weiteren müssen sie genau auf die MA-Verbindlichkeiten abgestimmt sein, um sicherzustellen, dass Mismatches nicht zu beträchtlichen Risiken führen.
  • Emittenten oder Dritte können die Zahlungsströme von MA-Vermögenswerten nicht verändern. Eine einzige Ausnahme besteht unter der Voraussetzung, dass die Versicherer eine ausreichende Entschädigung für die Beibehaltung der Zahlungsströme erhalten, die generiert worden wären, wenn die Zahlungsströme der Vermögenswerte nicht angepasst worden wären.

Ein Beispiel sind rückzahlbare Schuldverschreibungen, die als zulässig angesehen werden können, wenn sie eine Überzeichnungsklausel beinhalten, die im Falle einer Kündigung eine angemessene Entschädigung vorsieht.

  • Die Vermögenswerte müssen dem passenden Versicherungsportfolio zugeordnet sein und während der gesamten Laufzeit des Portfolios beibehalten werden. Eine Ausnahme ist nur gestattet, wenn Änderungen notwendig sind, um die Integrität der Anpassung von Zahlungsströmen innerhalb des Matching-Adjustment-Portfolios zu bewahren. Aus diesem Grund müssen einmal gekaufte Anlagetitel weitgehend im Bestand gehalten werden und die Möglichkeit gegeben sein, Vermögenswerte zum Zweck der Anpassung von Zahlungsströmen und des Risikomanagements zu verwalten.
  • MA-Vermögenswerte müssen separat vom sonstigen Geschäft des Versicherers bestimmt, organisiert und verwaltet werden, und dürfen nicht zur Deckung von Verlusten in anderen Geschäften genutzt werden.
  • Grundsätzlich ist das MA-Geschäft auf das Versicherungsgeschäft mit Einmalprämien begrenzt, das Langlebigkeitsrisiken, Kostenrisiken und Sterblichkeitsrisiken ausgesetzt ist, und in dem Rückkaufwerte nicht den gemäss Solvency II-Richtlinien berechneten Basiswert überschreiten dürfen.
  • In der Praxis bezieht sich dies auf das Geschäft mit Rentenversicherungen mit Einmalprämie und garantierten anleiheähnlichen Ersparnissen.

    Wie aus diesen Darstellungen ersichtlich ist, sind die Kriterien für die Zulässigkeit von MA-Vermögenswerten hinsichtlich operativer Einzelheiten noch nicht klar definiert. Mehr Klarheit wird es wahrscheinlich erst geben, wenn diese Kriterien in die Praxis umgesetzt werden.

    Die Berechnung der Matching-Anpassung
    (Artikel 77c)

    Artikel 77c der Omnibus 2-Richtlinie legt die Berechnung der Überschussrendite einer Matching-Anpassung auf der Grundlage des Matching-Adjustment-Portfolios und der MA-Verbindlichkeiten gemäss der Solvency II-Richtlinien fest.

    Im Allgemeinen handelt es sich um zusätzliche Renditen, die über die risikolosen Renditen hinausgehen und die Versicherer voraussichtlich durch MA-Vermögenswerte nach Abzug von Kosten für Zahlungsausfall und Herabstufungen erwirtschaften können. Die voraussichtlichen Kosten für Zahlungsausfall und Herabstufungen werden als «fundamentaler Spread» bezeichnet und unterscheiden sich je nach Anlageklasse, Bonität und Duration. Der fundamentale Spread wird von der zuständigen Aufsichtsinstanz EIOPA berechnet und veröffentlicht.

    MA-Solvenzkapitalanforderungen (SCR)

    Bei der Beschreibung der MA-SCR muss zwischen Versicherern unterschieden werden, die eigene, interne Risikomodelle nutzen, und denen, die die Solvenzkapitalanforderung auf der Grundlage der in Solvency II vorgeschriebenen Standardformel berechnen.

    • Versicherer mit internen Risikomodellen

    Versicherer mit der Genehmigung, interne Risikomodelle zur Berechnung von Solvency II SCRs und dem verfügbaren Eigenkapital zu verwenden, nutzen dafür auf sie zugeschnittene und von der für die Gruppenaufsicht zuständigen Behörde genehmigte Annahmen und Methoden.

    • Versicherer ohne interne Risikomodelle

    Versicherer, die die Solvency II SCRs und das verfügbare Eigenkapital anhand der Standardformel berechnen, verwenden dafür Annahmen und Methoden, die im Wesentlichen von den Solvency II-Richtlinien vorgeschrieben werden. Die Standardformel ist bei der Berechnung wahrscheinlich sinnvoller als interne Formeln, die auf die spezifischen Risikoprofile der Versicherer zugeschnitten sind.

    Praktische Unsicherheiten und Herausforderungen

    Wie bereits in den vorherigen Abschnitten erläutert, gibt es eine grosse Anzahl an praktischen Unsicherheiten und Herausforderungen, die die Zusammenstellung eines «optimalen» Solvency II Matching-Agreement-Portfolios alles andere als einfach gestalten.

    Im Folgenden werden wir einige besondere Herausforderungen näher beschreiben.

    • Aus einem kompletten Anlageuniversum müssen einzelne Vermögenswerte ermittelt und in der Folge auch beschafft werden, die in ein Matching-Adjustment-Portfolio eingebunden werden können. Dies könnte es erforderlich machen, zu den Bedingungen jedes einzelnen Vermögenswerts juristischen Rat einzuholen, um sicherzustellen, dass die Solvency II Kriterien bezüglich der MA-Zulässigkeit eingehalten werden.
    • Entweder müssen von den ermittelten zulässigen Vermögenswerten diejenigen ausgewählt werden, die die MA auf Ebene des Matching-Adjustment-Portfolios erhöhen, oder aber es muss das günstigste Vermögensportfolio ermittelt werden, das sich auf dem Markt befindet und die Voraussetzungen für eine Matching-Anpassung erfüllt.

    Je nachdem, welche Auswirkungen ein steigendes Ausfallrisiko auf den fundamentalen Spread hat, führt eine niedrigere Positionierung auf der Kreditkurve nicht zwingend zu einer Erhöhung der MA-Überschussmarge.

    • Von den ermittelten zulässigen Vermögenswerten müssen diejenigen ausgewählt werden, die die Solvenzkapitalanforderungen des Versicherers verringern. Diese Verringerung kann auf der Stufe des Matching-Adjustment-Portfolios oder auf der Stufe der gesamten Bilanz des Versicherers geschehen und hängt davon ab, ob der Versicherer ein internes Risikomodell oder die Standardformel für die Berechnung verwendet.
    • Es muss ein angemessenes Mass für die Anpassung der Zahlungsströme von den MA-Vermögenswerten und den Verbindlichkeiten gefunden werden, um die Genehmigung der Aufsichtsinstanz für ein Portfolio zu erhalten. Die Anpassung könnte in Bezug darauf festgelegt werden, wie gut Vermögenswerte und Verbindlichkeiten innerhalb einzelner Laufzeitbänder aneinander angepasst sind, oder, alternativ, auf kumulierten Vermögenswerten und dem Zahlungsstrom von Verbindlichkeiten basieren.

    Wir müssen eine geeignete Massnahme für das Mismatching von Zahlungsströmen definieren und eine akzeptable Toleranzgrenze festsetzen, innerhalb derer die Zahlungsströme von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten einer angemessenen Anpassung unterliegen.

    • Das Matching-Adjustment-Portfolio muss mit der Zeit verwaltet und angepasst werden, da das tatsächliche Verhalten und die Performance der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten von den ursprünglichen Erwartungen und Annahmen abweichen. Wenn die MA-Vermögenswerte zum Beispiel weniger Zahlungsausfällen ausgesetzt sind als erwartet, kann der daraus resultierende MA-Überschuss aus dem Matching-Adjustment-Portfolio freigesetzt werden. Voraussetzung dafür ist, dass jederzeit genügend MA-Vermögenswerte vorhanden sind, um den besten Schätzwert von Verbindlichkeiten der Versicherer zu decken.

    Solvency II Matching-Anpassung – Fallstudie

    Zuvor haben wir in diesem Artikel die Probleme hinsichtlich der MA-Asset-Allokation eingeführt und die praktischen Unsicherheiten und Herausforderungen beschrieben, denen Versicherer bei der Zusammenstellung eines in gewisser Weise «optimalen» Matching-Adjustment-Portfolios begegnen. In diesem Abschnitt zeigen wir anhand einer Fallstudie zur Optimierung von Asset-Allokationen mögliche Lösungswege auf.

    Obwohl diese Problemstellung nicht die einzig mögliche ist, zeigt sie doch, wie die Darstellung der Schwierigkeit von Asset-Allokationen als Optimierungsproblem es den Versicherern ermöglicht, auf strukturierte Art und Weise weitestgehend optimale Asset-Allokationen vorzunehmen. Die Fallstudie zeigt ausserdem die erheblichen Vorteile, die den Versicherern mit Optimierungsansatz unserer Meinung nach zur Verfügung stehen. Den breit angelegten Ansatz, der hier beschrieben wird, haben wir mit unseren Versicherungskunden verfolgt, um echten Mehrwert zu schaffen.

    Die Zahlungsströme von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten

    Die in Abbildung 1 dargestellten Zahlungsströme von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten wurden einem Profil tatsächlicher Verbindlichkeiten von Versicherungsrenten sowie einem Vermögensportfolio entnommen, das gewählt wurde, um die Zahlungsströme der Verbindlichkeiten in groben Zügen anzupassen.

    Abbildung 1 zeigt, dass die Zahlungsströme der Vermögenswerte den Zahlungsströmen der Verbindlichkeiten in den meisten Laufzeitbändern gut angepasst sind. Bei einigen Durationen besteht eine Abweichung. Es ist nicht sofort erkennbar, ob es sich im Vergleich mit allen anderen möglichen Vermögensportfolios, mit denen eine akzeptable Anpassung der Zahlungsströme von Vermögenswerten an das Verbindlichkeitsprofil herbeigeführt werden könnte, um eine «gute» oder in gewisser Weise eine «optimale» Anpassung der Zahlungsströme handelt.

    Aus diesem Grund ist es hilfreich, das Problem der MA-Asset-Allokation als Optimierungsproblem darzustellen, in dem wir die Abweichung der Zahlungsströme explizit messen. So kann das Problem mit einer gewissen Präzision und mit Hilfe speziell dafür entwickelter Softwaretools angegangen werden.

     

    Vergleich diversifizierter Zahlungsströme von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten

    Definition des Optimierungsproblems der Anpassung von Zahlungsströmen

    Die Darstellung und Lösung des Problems der MA-Asset-Allokation als Optimierungsproblem ist aus mehreren Gründen nicht leicht.

    • Wenn die Zielsetzung und die Einschränkungen nicht sorgfältig festgelegt werden, kann das Problem schnell unlösbar erscheinen.
    • Falls, wie erwartet, keine geschlossene Lösung für das Optimierungsproblem vorhanden sein sollte, wird es sehr zeitaufwändig sein, alle aus dem gesamten Anlageuniversum zulässigen Permutationen zu überprüfen.
    • Die Einschränkungen, unter denen die Optimierung ausgeführt wird, können vielschichtig und komplex sein. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn eine enge Anpassung von Zahlungsströmen anhand von Solvency II SCR-Berechnungen festgelegt wird.

    Unser Ziel

    Abbildung 2 zeigt ein Diagramm mit den gleichen Daten wie in Abbildung 1, allerdings als kumulierte Zahlungsströme von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten dargestellt. Dies spricht dafür, dass die Zahlungsströme von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten relativ gut aufeinander abgestimmt sind.

    Die Abbildung zeigt, dass einzelne Sprünge in den kumulierten Zahlungsströmen von Vermögenswerten der Auszahlung von Kupons und der Rücknahme von Vermögenswerten mit voranschreitender Fälligkeit des Vermögensportfolios entsprechen. Um die Anpassung zwischen den Zahlungsströmen der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten zu bewerten, werden die Unterschiede zwischen den kumulierten Zahlungsströmen der Vermögenswerte und der Verbindlichkeiten zu jedem auf der Kurve in Abbildung 2 gezeigten Zeitpunkt analysiert. Diese Herangehensweise verwenden wir auch in der Fallstudie. Anders gesagt messen wir die Anpassung der Zahlungsströme durch die Nähe der beiden Kurven in Abbildung 2. Je näher die beiden Kurven zusammenliegen, desto besser sind sie einander angepasst.

    Die Abbildung zeigt, dass einzelne Sprünge in den kumulierten Zahlungsströmen von Vermögenswerten der Auszahlung von Kupons und der Rücknahme von Vermögenswerten mit voranschreitender Fälligkeit des Vermögensportfolios entsprechen. Um die Anpassung zwischen den Zahlungsströmen der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten zu bewerten, werden die Unterschiede zwischen den kumulierten Zahlungsströmen der Vermögenswerte und der Verbindlichkeiten zu jedem auf der Kurve in Abbildung 2 gezeigten Zeitpunkt analysiert. Diese Herangehensweise verwenden wir auch in der Fallstudie. Anders gesagt messen wir die Anpassung der Zahlungsströme durch die Nähe der beiden Kurven in Abbildung 2. Je näher die beiden Kurven zusammenliegen, desto besser sind sie einander angepasst.

    Weitere Einschränkungen

    Wir erinnern jedoch daran, dass wir diese Nähe durch das Durchsuchen einer sehr grossen Anzahl an potenziellen einzelnen Vermögenswerten erreichen. Diese Vermögenswerte unterliegen ebenfalls den Kriterien für die Zulässigkeit von MA-Vermögenswerten sowie allen weiteren Kriterien, die der Versicherer anwenden möchte. Ausserdem gelten auf Portfolioebene noch weitere Einschränkungen, die sich sowohl durch die Voraussetzungen für eine Matching-Anpassung als auch durch den Versicherer in Bezug auf die Anforderungen des Kreditrisikomanagements ergeben. Um solch ein umfassendes und komplexes Problem zu lösen, benötigt es speziell dafür entwickelte Softwaretools.

    Vergleich kumulierter Zahlungsströme von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten

    Lösung des Problems der Optimierung von Asset-Allokationen

    Der grosse Umfang, die zahlreichen Einschränkungen und die grosse Anzahl möglicher Zielsetzungen bedeuten, dass ein offizieller Ansatz entscheidend ist, um eine greifbare und praktische Lösung zu finden. Unter sorgfältiger Berücksichtigung der verschiedenen Aspekte ist es wichtig, das Problem auf eine Art zu definieren, die eine effiziente Lösung zulässt.

    Vor allem stellen wir sicher, dass wir Einschränkungen explizit angeben, um ein konvexes zulässiges Gebiet festzulegen, das zusammen mit einer konvexen Zielfunktion sicherstellt, dass die gefundenen Lösungen einem globalen Optimum entsprechen. Durch die sorgfältige Auswahl einer Zielfunktion sowie der Variation angemessener Einschränkungen kann eine «Effizienzkurve» möglicher Lösungen erstellt werden.

    In Abbildung 3 misst die y-Achse die Nähe der Anpassung zwischen den Zahlungsströmen verschiedener zulässiger Asset-Allokationen. Dabei entsprechen höhere Werte einer niedrigeren Anpassung. Die x-Achse misst die Optimalität jeder einzelnen Asset-Allokation anhand des Barwerts der im Rahmen der Vertragserfüllung anfallenden Zahlungsströme (BEL) unseres Verbindlichkeitenprofils. Dieser Wert wurde auf der Grundlage der durch jede einzelne zulässige Asset-Allokation erwirtschaftete MA verglichen mit dem BEL mit einer MA von null (100 % auf der x-Achse) berechnet.

    Aus diesem Grund sind die niedrigeren Prozentpunkte auf der x-Achse optimaler, da sie höheren Werten unseres Ziels, der MA, entsprechen. Wenn wir uns auf der x-Achse nach links bewegen, werden die Asset-Allokationen in Hinsicht auf eine Erhöhung der MA immer optimaler. Gleichzeitig wird die Anpassung der Zahlungsströme allgemein gesehen geringer als erwartet.

    Wenn der Versicherer dazu bereit ist, eine Anpassung der Zahlungsströme innerhalb der in Abbildung 3 durch eine gestrichelte Linie dargestellten Toleranzgrenze zu akzeptieren, ist das optimale Asset-Allokations-Portfolio auf der linken Seite zu finden, kurz vor der Unterbrechung der gestrichelten Linie.

    Der schraffierte, elliptische Bereich in Abbildung 3 zeigt den Bereich an, in dem Versicherer gemäss unserer Erfahrung das Niveau an Unabgestimmtheit in ihren Matching-Adjustment-Portfolios als tragbar empfinden.

    Wir verweisen darauf, dass eine solche Optimierung der MA dazu führen könnte, dass der BEL der Annuitäten eines Versicherers drastisch sinkt. Selbstverständlich variieren die Verhältnisse unterschiedlicher Versicherer und der tatsächlich gezogene Nutzen in Abhängigkeit von den Marktbedingungen zum Zeitpunkt der Zusammenstellung des Portfolios. Dennoch zeigt eine Untersuchung von Standard Life Investments, dass eine Minderung der BEL der Annuitäten eines Versicherers (verglichen mit einer MA von null) in Höhe von ca. 10 % erreicht werden kann. Dies stellt einen wesentlichen Beitrag zu dem in Solvency II festgesetzten verfügbaren Eigenkapital eines Versicherers dar, indem mit einem Annuitätenbuch von GBP 1 Milliarde beispielsweise GBP 100 Millionen Eigenkapital erwirtschaftet werden können.

    Nach unseren eigenen Erfahrungen mit der Optimierung von MA-Asset-Allokationen kann der Vorteil optimierter Asset-Allokationen innerhalb zulässiger und in Hinsicht auf Zahlungsströme angepasster Matching-Adjustment-Portfolios ausschlaggebend sein.

    Der Vorteil der SCR

    Bei der Auswahl der optimalen MA-Asset-Allokation liegt es ausserdem im Interesse der Versicherer, die damit verbundenen SCR-Vorteile im Blick zu behalten, die durch mögliche Asset-Allokationen erzielt werden können.

    Bei der Auswahl der optimalen MA-Asset-Allokation liegt es ausserdem im Interesse der Versicherer, die damit verbundenen SCR-Vorteile im Blick zu behalten, die durch mögliche Asset-Allokationen erzielt werden können.

    Wie bereits in diesem Artikel beschrieben, ist ausserdem anzunehmen, dass Buy-and-Hold-Portfolios deutlich geringere Eigenkapitalanforderungen für das Spread-Risiko aufweisen werden als aktiver gehandelte Asset-Allokationen.

    Abbildung 3 zeigt die Ergebnisse unseres Optimierungsansatzes.

    Die Optimierung von Asset-Allokationen - die Effizienzkurve

    Fazit

    Die Umstellung auf Solvency II rückt immer näher, und die Versicherer sind damit beschäftigt, ihre Matching-Adjustment-Portfolios zusammenzustellen, um die Genehmigung ihrer Aufsichtsinstanz einzuholen. Daher ist es unbedingt erforderlich, dass sich Unternehmen damit auseinandersetzen, wie sie MA-Asset-Allokationen optimieren können, um aus der MA den grösstmöglichen Vorteil herauszuholen.

    Unseres Erachtens helfen Methoden wie die von uns beschriebene Versicherern dabei, optimale und angemessene Matching-Adjustment-Portfolios zu erstellen, vor allem in Verbindung mit der Fähigkeit, MA-zulässige illiquide Aktivposten wie Infrastruktur und Gewerbeimmobilien zu beschaffen und zu strukturieren.

    Wir sind davon überzeugt, dass alle Stakeholder, einschliesslich der Kunden und Aktionäre eines Versicherers, hiervon profitieren werden. Dies gilt auch für die Emittenten illiquider Anleihen, da die MA Versicherern einen Anreiz gibt, um in diese zu investieren.

    Risikohinweis
    Risikohinweis - Der Kapitalwert von Anlagen und die durch die Investitionen erzielten Erträge können sowohl steigen als auch fallen. Möglicherweise erhält ein Anleger nicht den vollen Betrag seiner Investition zurück.