Alternative Alternativen für diversifizierte Portfolios

Diversifizierung spielt in den Überlegungen der Anleger immer eine zentrale Rolle. Gerade scheint es aber besonders akut zu sein. In den entwickelten Märkten ziehen Inflation und Zinsen schleichend an. Dennoch befinden sich die Renditen der Staatsanleihen in vielen Fällen immer noch knapp über ihren Rekordtiefs. Das heißt, sie bieten Anlegern kaum Schutz, wenn sich der Anstieg der US-Zinsen beschleunigen sollte. Und nach der zehnjährigen Hausse wirkt auch der Aktienmarkt alles andere als robust, da die Unternehmen relativ zu ihren Ertragsaussichten teuer erscheinen. Berücksichtigt man außerdem die geopolitische Instabilität und den eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und China, so halten wir es durchaus für möglich, dass die Finanzmärkte mittelfristig zur Schwäche neigen werden.

Der trübe Ausblick der traditionellen Anlageklassen stimmt so manchen Anleger pessimistisch. In einer solchen Situation bieten unkorrelierte, börsennotierte alternative Anlagen neue chancenreiche Anlagemöglichkeiten. Wir investieren in ein Spektrum ausgewählter alternativer Vermögenswerte, die kaum mit dem Konjunkturverlauf korrelieren und zu denen neben Infrastruktur und Spezialimmobilien auch Privatkredite, Flugzeugleasing und Prozesskostenfinanzierungen gehören.

In diesen Anlageklassen werden die Renditen von anderen Faktoren bestimmt als in den traditionellen Aktien- und Anleihesektoren. Diese „alternativen Alternativen“ bieten normalerweise einen regelmäßigen Ertragsstrom, der von Marktturbulenzen weitgehend unberührt bleiben dürfte. Natürlich sind die Titel dieser Anlageklassen nicht liquide, sodass es schwierig ist, sie kurzfristig zu kaufen und zu verkaufen. Daher investieren wir nicht direkt in diese Alternativen, sondern indirekt über gelistete Investmenttrusts, die an einer Börse notiert sind und gehandelt werden. Diese Aktiengesellschaften werden von einem Verwaltungsrat geführt, der seinen Aktionären Rede und Antwort stehen muss. Er gibt die Aktien aus, investiert die Erlöse in die alternativen Vermögenswerte und hält sie in einem Fonds. In den meisten Fällen etablieren diese Treuhandgesellschaften eine permanente Kapitalstruktur, mit der sie in alternative Anlagen investieren, die in regulierten Anlagevehikeln sonst nicht erhältlich wären. Damit eröffnen sie nicht-professionellen Anlegern ein neues Universum chancenreicher Anlagemöglichkeiten.

Infrastruktur

Infrastrukturprojekte erwirtschaften stabile Zahlungsströme mit Renditen, die auf den traditionellen Rentenmärkten kaum zu finden sind. Wir investieren in soziale Infrastruktur wie Krankenhäuser und Schulen, Verkehrsinfrastruktur und Infrastruktur der erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarparks. Viele dieser Projekte werden von Regierungen unterstützt und subventioniert.

Im Bereich der erneuerbaren Energien finanzieren beispielsweise immer häufiger börsennotierte Fonds mit fachkundigen Managementteams die Anlagen. Wir streben eine jährliche Rendite von 5-7 Prozent an. Auch wenn diese Investments in gewisser Weise auf die Strompreise reagieren, sind ihre Umsatzerlöse und damit auch die Dividenden weitestgehend von konjunkturellen Faktoren unabhängig.

Immobilien

Wir investieren in Immobilienfonds, die sich auf die weniger konjunkturabhängigen Sektoren konzentrieren, etwa den sozialen Wohnungsbau, der Bürgern mit geringeren Einkommen oder Behinderungen erschwinglichen Wohnraum bietet. Die Renditen beruhen im Wesentlichen auf den Mieteinnahmen dieser Immobilien, die in der Regel von staatlichen Finanzhilfen und langfristigen Verträgen abgesichert sind. Unser Renditeziel beträgt 5-7 Prozent pro Jahr und einem entsprechenden Inflationsausgleich.

Privatkredite

Aufgrund strengerer aufsichtsrechtlicher Vorschriften und Eigenkapitalanforderungen waren die Banken gezwungen, die Kreditvergabe an kleinere Unternehmen einzuschränken. Ihren Platz nehmen nun innovative Unternehmen ein, die Kreditgeber und Kreditnehmer mit Hilfe von Online-Plattformen zusammenführen. Potenzielle Kreditgeber können wählen, welches Risiko sie einzugehen bereit sind - und welchen potenziellen Ertrag sie dafür erwarten. Anders als die Banken, die an der Differenz zwischen Kreditkosten und Kreditzinsen verdienen, verlangen diese Firmen eine Kreditvermittlungsgebühr, die weniger empfindlich auf einen Anstieg der Zinsen reagiert als Anleihen. Für die Bonitätsprüfung verwenden diese Plattformen neue Technologien, wobei sich die Kosten eines Darlehens aus der Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers ergeben. Investitionen erfolgen über Fonds, zum Beispiel dem der staatlich geförderten Technologieplattform Funding Circle, die Kredite an kleine Unternehmen vergibt. Angestrebt wird eine jährliche Rendite von 5-6 Prozent nach Berücksichtigung von möglichen Kreditausfällen.

Flugzeugleasing

Fluggesellschaften gehen zunehmend dazu über, Flugzeuge zu mieten, statt zu kaufen. Auf diese Weise gewinnen sie an operativer Flexibilität. Die Kosten eines Flugzeugkaufs könnte die Gesellschaften stark belasten, sollte die Nachfrage nach Flugreisen sinken, während sie im Leasingfall bei steigender Nachfrage einfach nur weitere Flugzeuge mieten müssen. Die Zahl der Unternehmen, die sich mit Flugzeugleasing beschäftigen, ist entsprechend gestiegen. Diese beschaffen sich das Kapital für die Flugzeuge über Investitionspools und zahlen auf der Basis ihrer Leasingverträge regelmäßige Erträge. Die Flugzeuge besitzen außerdem einen Wiederverkaufswert, der die Gesamtrendite steigern kann. Aufgrund der regelmäßigen Erträge ist das Geschäft gegen Konjunkturabschwünge relativ immun.

Auch wenn die Nachfrage in gewissem Maße von der Stärke der Luftverkehrsbranche abhängt, dürfte sie vom steigenden Wohlstand der Schwellenländer gut abgestützt sein.

Prozesskostenfinanzierung

Gerichtsverfahren, insbesondere Unternehmensprozesse, können teuer werden. Wir halten Aktien eines Prozesskostenfinanzierers, der die Kosten von Kanzleien und/oder Klägern übernimmt, die ihnen dabei entstehen, bestimmte Streitfälle vor Gericht zu bringen. Für die Auswahl der Fälle mit der höchsten Gewinnwahrscheinlichkeit gibt es dabei insofern einen Anreiz, dass dem Prozesskostenfinanzierer im Erfolgsfall ein Prozentanteil des dem Kläger zugesprochenen Betrages oder Schadensersatzes zusteht. Im Falle des Verlustes hat die Finanzierungsgesellschaft die Kosten selbst zu tragen. Obwohl Rechtsfälle komplex sein können, ist Prozessfinanzierung relativ einfach - und in den meisten Fällen vergleichen sich die Kontrahenten ohnehin, bevor sie vor Gericht ziehen. Der Ausgang eines Gerichtsverfahrens ist von den konjunkturellen oder finanziellen Bedingungen nahezu unabhängig.

Versicherungsverbriefungen

Versicherungsverbriefungen bieten ebenfalls interessante Diversifikations- und Renditechancen. Diese Wertpapiere verlagern die finanziellen Risiken aufgrund von Naturkatastrophen von den Versicherungen oder Rückversicherern teilweise auf die Kapitalmärkte. Natürlich ist die Auswahl dieser Risiken und das Ausmaß der diesbezüglichen Exposure äußerst wichtig, wie die durch die Wirbelstürme und Waldbrände im Jahr 2017 entstandenen Schäden zeigen. Nach den deutlichen Erhöhungen der Prämien von Spezialversicherungen bieten sich in diesen Bereichen jedoch wieder attraktive Anlagechancen.

Anleger sollten diversifizierende Anlagen stets aufgrund ihrer speziellen Vorzüge kaufen, und nicht nur deshalb, weil sie anders sind. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass die oben aufgeführten Assetklassen ein attraktives Renditepotenzial bieten und zugleich nur gering mit den Renditen konventioneller Anlageformen korreliert sind. Als Teil eines diversifizierten Portfolios könnte ein Engagement in die richtigen Alternative-Asset-Fonds dazu beitragen, die Renditen zu steigern und die Auswirkungen künftiger Marktturbulenzen abzufedern.

Risikohinweis
Risikohinweis - Der Wert jedes Investments und die Einkünfte daraus können sinken oder steigen und Sie erhalten möglicherweise weniger als den investierten Geldbetrag zurück.