Asien mausert sich zur Drehscheibe für nachhaltige Anlagen

Paul Lukaszewski, Head of Corporate Debt, Asia and Australia,
and Petra Daroczi, Investment Analyst ESG, Fixed Income

Die Region bietet Anlegern immer mehr Möglichkeiten, positive Erträge zu erzielen und zugleich die Welt ein bisschen besser zu machen.

Asien könnte zur Keimzelle von Nachhaltigkeitsanlagen werden, angetrieben von strukturellen wirtschaftlichen Faktoren, verstärkten Allokationen institutioneller Anleger und strengeren Vorschriften.

Verglichen mit den Industrieländern hinken Anleger in Asien hinterher, wenn es um die Integration von Umwelt-, Sozial- und Governance-Analysen (ESG) in ihre Entscheidungsprozesse und Allokationen geht. Und dabei werden ESG-Analysen bei Rentenanlagen bislang noch deutlich weniger berücksichtigt als bei Aktienanlagen. Wir erwarten jedoch, dass sich das in den nächsten Jahren spürbar ändert.

Schon heute deuten diverse Indikatoren auf eine rasante Zunahme des nachhaltigen Investierens auf dem asiatischen Kontinent hin. In den drei Jahren bis Ende 2018 ist das von Unterzeichnern der UN-Prinzipien für verantwortliches Investieren (Principles of Responsible Investing, PRI) verwaltete Vermögen um 87% hochgeschnellt. Das haben unsere Berechnungen auf Basis von PRI-Daten ergeben.

Darüber hinaus teilen Großanleger immer mehr Kapital solchen Strategien zu, die ESG-Faktoren berücksichtigen. Multilaterale Institutionen wie die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) und die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) haben in den letzten Jahren ESG- und Green-Bond-Mandate aufgelegt.

Zusätzliche Unterstützung kommt von halbstaatlichen Einrichtungen in ganz Asien. Bedeutende quasi-staatliche Institutionen aus Ländern wie Japan, Taiwan, Malaysia und Südkorea setzen sich aktiv für die Berücksichtigung von ESG-Analysen ein und lancieren eigene ESG-Anlagevehikel.

Damit schlagen sie eine Bresche für Nachhaltigkeitsanlagen und werden damit nach unserer Einschätzung andere große Institutionen in der Region zum Nachahmen ermuntern.

Angesichts der Bevölkerungsgröße und des dringenden Entwicklungsbedarfs in der Region steht für Asien mehr auf dem Spiel als für die Industrieländer.

Auch sozioökonomische Faktoren treiben den Wandel voran. Angesichts der Bevölkerungsgröße und des dringenden Entwicklungsbedarfs in der Region steht für Asien in vielerlei Hinsicht mehr auf dem Spiel als für die Industrieländer.

In den asiatischen Entwicklungsländern summiert sich der Bedarf nach Infrastrukturinvestitionen Schätzungen zufolge in den nächsten 15 Jahren auf mindestens 26 Billionen US-Dollar.1 Aber der fortschreitende Klimawandel und das damit verbundene Gebot der Nachhaltigkeit werden die Art und Weise verändern, wie Asiens Regierungen künftig ihre Energie- und Verkehrsinfrastruktur sowie ihre Abfallwirtschaft aufbauen, organisieren und finanzieren werden.

Bei Letzterem kommt den asiatischen Anleihenmärkten eine wichtige Rolle zu. Schon heute werden auf dem Kontinent mehr Green Bonds begeben als in den USA.2 Für 2019 dürfte sich deren Emissionsvolumen weltweit auf 250 Milliarden US-Dollar belaufen nach 168,5 Milliarden US-Dollar im Jahr davor3. China führt die Liste der Schwellenländer an, wurden 2018 im Reich der Mitte doch rund 70% aller grünen Anleihen aufstrebender Länder emittiert4.

Ein weiteres Thema, das den Regierungen in Asien unter den Nägeln brennt, ist die Verringerung der Umweltverschmutzung. Indien und China, die bevölkerungsreichsten Nationen der Welt, sind hier besonders gefordert. Nach Statistiken der Weltgesundheitsorganisation finden sich 70% der am stärksten verschmutzten Städte der Welt in Asien. Unter den Top 20 sind 15 indische Großstädte zu finden.

Das Land will daher die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis März 2022 auf 175 GW verdoppeln und diese Menge bis 2030 nochmals auf dann 500 GW nahezu verdreifachen. China hat unterdessen die Einfuhr von Plastikabfällen verboten und investiert massiv in die Entwicklung von Elektrofahrzeugen. Verstöße gegen Umweltvorschriften werden hart bestraft und die größten Verschmutzer unter den Kraft- und Stahlwerken sowie Kohlebergwerken geschlossen. Die Umweltstrafen sind 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 32% gestiegen5.

Peking hat zudem Richtlinien veröffentlicht, die börsennotierte Unternehmen dazu verpflichten sollen, ab 2020 wichtige Umweltdaten offenzulegen.

Aber nicht nur in China, sondern in der gesamten Region rückt eine verbesserte Offenlegung der Unternehmen zunehmend in den Fokus. Seit 2016 verlangt die Börse in Hongkong von den dort gelisteten Unternehmen, dass sie Nachhaltigkeitsberichte nach dem Prinzip „einhalten oder erklären“ (comply or explain) vorlegen. Singapur zog 2018 nach.

Auch der Agrarsektor in Asien dürfte verstärkt ins Visier der Regulierer geraten, da viele Länder in der Region mit großen Herausforderungen wie Ernährungssicherheit, Wasserknappheit, Umweltverschmutzung und schlechten Arbeitsbedingungen zu kämpfen haben.

Die Vereinigung südostasiatischer Staaten (ASEAN) ist der weltgrößte Produzent von Palmöl und Naturkautschuk - beides essentielle Rohstoffe. Zugleich machen dem Agrarsektor Nachhaltigkeitsrisiken wie fortschreitende Entwaldung, Verlust an Artenvielfalt, Landnahme und Zwangsarbeit zu schaffen.

Strukturelle Treiber, verstärkte Allokationen institutioneller Anleger und schärfere Vorschriften lassen vermuten, dass Asien als Drehscheibe für nachhaltige Investments zu den Industrieländern aufschließen wird. Nach unserer Überzeugung wird die Region Anlegern immer mehr Möglichkeiten bieten, positive Erträge zu erzielen und zugleich die Welt ein bisschen besser zu machen.

Aberdeen Standard Investments war 2007 einer der ersten Unterzeichner der UN-Prinzipien für verantwortliches Investieren (PRI). Die Integration von ESG-Faktoren in unseren Anlageprozess ermöglicht uns einen besseren Einblick in die Wert- und Risikotreiber von Unternehmen und hilft uns, angemessene Preise und Positionsgrößen für unsere Investments zu ermitteln. Mit unseren Analysen wollen wir die Fallstricke von Anlagen vermeiden und die sich bietenden Chancen nutzen.

Quelle: ADB, „Meeting Asia’s Infrastructure Needs“, Februar 2017

Quelle: „Green Bond Insights – Time for ‘transition’ bonds?“ – HSBC, 25. Juni 2019

Quelle: Climate Bonds Initiative, 2019

Quelle: Bank of America Merrill Lynch: The Greener Good – taking a closer look at the green bond market in EM

Quelle: Reuters, 14. Februar 2019

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