Blickpunkt Asien: von Rot auf Grün

Robert Gilhooly, Senior EM Research Economist
Sree Kochugovindan, Senior Research Economist, Research Institute
Yashaswini Dunga, Research Analyst, Research Institute


  • Die Exportaufträge haben sich im gesamten asiatischen Raum erholt, was potenziell darauf hindeutet, dass im verarbeitenden Gewerbe außerhalb der Region das Schlimmste in Bezug auf die Störungen überstanden ist.

  • Chinas Vorhaben, bis 2060 Klimaneutralität zu erreichen, erfordert eine Revolution im Bereich der Energieversorgung dar. Doch kann China dieses Versprechen auch halten?

  • Die japanische Wirtschaft zog im September weiter an, während die politischen Entscheidungsträger den Fokus auf die Wiedereröffnung der Volkswirtschaft bei gleichzeitigem Schutz der öffentlichen Gesundheit legen.

  • In Indien könnten die harten Wirtschaftsdaten dem Unternehmensoptimismus möglicherweise nicht gerecht werden.

Asien: Exporte und Produktion fallen weiter stark aus

Die jüngsten Konjunkturdaten aus Asien stimmen insgesamt zuversichtlich. Die asiatischen Einkaufsmanagerindizes legen nach wie vor nahe, dass sich die Produktion im verarbeitenden Gewerbe etwa auf den vor der Pandemie verzeichneten Niveaus bewegt. Die Exportbarometer haben sich etwas langsamer erholt, kehrten in den meisten Regionen im September jedoch auf ihre Normalwerte zurück (vgl. Abb. 1). Zwei Länder stechen dabei hervor: Das verarbeitende Gewerbe in Indien hat ein Rekordhoch erreicht, wohingegen der Produktions- und der Exportindex für Indonesien nachgaben. Der leichte Rückgang des verarbeitenden Gewerbes in Indonesien könnte zum Teil auf die neuerlichen Lockdown-Maßnahmen in Jakarta seit dem 14. September zurückzuführen sein.

Abbildung 1 – Die neuen Exportaufträge haben sich in den meisten asiatischen Ländern erholt und zur Produktion aufgeholt

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Wir legen den Fokus auf drei Länder – China, Japan und Indien –, in denen die Covid-Krise potenziell einige seit Langem erwartete strukturelle und regulatorische Reformen forcieren könnte.

In China, Japan und Indien könnte die Covid-Krise potenziell einige seit Langem erwartete strukturelle und regulatorische Reformen forcieren.

China: Planung für die Zukunft

Die chinesischen Behörden fassen eine sehr langfristige Planung ins Auge. Vom 26. bis zum 29. Oktober kommt die Kommunistische Partei Chinas für ihre 5. Plenarsitzung zusammen, die erste Einblicke in den 14. Fünf-Jahres-Plan des Landes gewähren dürfte. Dieser stellt das Fundament für die sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungsziele im Zeitraum 2021-2025 dar. „Dual Circulation“ (zwei Wirtschaftskreisläufe) ist das Schlagwort der Stunde. Dies umfasst eine geringere Exportabhängigkeit des Wachstums, die Gewährleistung der technologischen Sicherheit und die Ankurbelung des Binnenkonsums. Die Entwicklungsziele für 2035 dürften ebenfalls zur Sprache kommen und vorangegangene Zielsetzungen, eine „moderat wohlhabende Gesellschaft“ zu schaffen, untermauern.

Moderate Reformen?

Wir rechnen nicht damit, dass wesentliche neue strukturelle Reformen bekanntgegeben werden. Vielmehr dürften die derzeitigen Pläne fortgeschrieben werden. Es ist jedoch mit einigen kleineren Schritten zu rechnen, die das Wachstum stützen dürften. Dazu könnten unter anderem folgende Maßnahmen zählen:

  • Hukou-Reform – „Offizieller Wohnsitz“ (womit Zugang zu Sozialdienstleistungen verbunden ist) auch in Tier-2- und Tier-3-Städten.
  • Einkommensteuerreform – Senkung einiger Steuersätze und Erhöhung der Freibeträge.
  • Landreform und Eigentumsrechte in ländlichen Gebieten – zum Beispiel die Genehmigung, Wohnimmobilien in ländlichen Gebieten als Kreditsicherheit zu nutzen.

Umfassendere Reformen, die noch stärker zu einem höheren langfristigen Wachstum beitragen würden, sind unwahrscheinlich. Fortschritte in Bezug auf die nachfolgend genannten Belange würden uns im Hinblick auf die langfristige Wachstumsentwicklung Chinas zuversichtlicher stimmen.

  • Reduzierung der staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft zur Verringerung von Kapital-Fehlallokationen.
  • Verbesserung des fiskalischen Transfersystems zwischen der Lokal- und der Zentralregierung, um letzten Endes implizite Garantien abzuschaffen.
  • Auszahlung staatlicher Mittel an Haushalte, um zum Übergang Chinas von einer produktionsorientierten zu einer stärker auf den privaten Konsum fokussierten Volkswirtschaft beizutragen.
  • Stärkung des sozialen Sicherheitsnetzes durch Ausweitung der Arbeitslosenunterstützung und Verbesserung des Zugangs zum Gesundheitswesen.

Ein interessanter Aspekt ist dabei die Frage, in welchem Maße andere Zielsetzungen – konkret die Verringerung des Risikos im Finanzsektor – potenziell wesentliche Veränderungen als Nebenprodukt herbeiführen könnten (mit einer Verringerung des Risikos wird eine Reduzierung der Komplexität und der Verflechtung zwischen Banken und „Schattenbanken“ angestrebt; allgemeiner ausgedrückt wird damit den Risiken für die finanzielle Stabilität mehr Beachtung geschenkt). Legen die Regulierungsbehörden ihren Schwerpunkt wie zuletzt weiterhin auf das Finanzrisiko, könnte die Zahl der in Staatsbesitz befindlichen Unternehmen schneller sinken als von offizieller Seite avisiert. Die Probleme, mit denen sich Chinas zweitgrößter Immobilienentwickler Evergrande jüngst konfrontiert sah, verdeutlichen, wie schwierig es ist, die Risiken zu mindern und gleichzeitig die Wachstumsziele zu berücksichtigen. Da das Unternehmen Schwierigkeiten hat, sein komplexes Geflecht an Schulden von über 120 Mrd. USD zu bedienen, standen die Behörden vor der Frage, ob und wie zu intervenieren sei.

China als Pionier im Bereich sauberer Energie?

Wesentliche Reformen sind keineswegs ausgeschlossen. Präsident Xi überraschte die UN mit der Ankündigung, China strebe bis 2060 Klimaneutralität an. Dies ist ein sehr ambitioniertes Ziel und würde eine Revolution in der Energieversorgung erfordern. Spekulationen zufolge wären zur Erreichung dieses Ziels Investitionen in Höhe von 15 Bio. USD vonnöten.

Da rund ein Viertel der globalen Treibhausgasemissionen auf China entfallen, könnten die Emissionen anhand dieses Plans weltweit potenziell deutlich gesenkt werden. Doch Klimaneutralität ist nicht mit Null-Emissionen gleichzusetzen. Es müssen weitere Einzelheiten zur Ausgestaltung dieses Ziels abgewartet werden. Beispielweise im Hinblick darauf, ob darunter auch der internationale Flugverkehr fällt und in welchem Maße CO2-Ausgleiche zur Erreichung der Klimaneutralität eingesetzt werden.

Ein „Ölzweig“ für angespannte Beziehungen?

Tatsächlich könnten globale Klimabelange einen der wenigen verbleibenden Bereiche darstellen, in denen international zusammengearbeitet wird, was dazu beitragen könnte, die geopolitischen Spannungen zu mindern, denen sich China gegenübersieht. In Gesprächen mit der Europäischen Union wurde dieses Thema bereits aufgegriffen. Inwieweit die Spannungen potenziell nachlassen, hängt selbstverständlich vom Ausgang der US-Wahlen ab. Im Falle eines Siegs Bidens könnten Umweltbelange möglicherweise eine gemeinsame Grundlage darstellen.

Wie bereits zuvor erwähnt, dürften die Spannungen zwischen den USA und China ungeachtet dessen, wer ins Weiße Haus einzieht, weiter Bestand haben. Die von den USA verhängten Auflagen für Exporte an Chinas größten Chiphersteller SMIC verdeutlichen, dass es bei den Streitpunkten nicht mehr nur um den Handel, sondern zunehmend auch um Technologie und Sicherheit geht. Dies bestärkt China in seinen seit Langem verfolgten Bestrebungen, wirtschaftlich unabhängig zu werden.

Chinas Wirtschaft zieht an

Die jüngsten Makrodaten zeichnen ein leicht positives Bild. Die Gesamt-Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe entwickelten sich uneinheitlich: Der entsprechende NBS-Index stieg im September auf 51,5 Punkte (+0,5 Punkte), wohingegen der von Caixin ermittelte Index leicht um 0,1 Punkte nachgab. Bei beiden Indizes präsentierte sich die Produktionskomponente mit rund 54 Punkten jedoch stark. Darüber hinaus haben sich die Exportaufträge mittlerweile erholt, was potenziell darauf hindeutet, dass im verarbeitenden Gewerbe außerhalb der Region das Schlimmste in Bezug auf die Störungen überstanden ist (vgl. Abb. 2). Die jüngsten Importdaten für September fielen besonders stark aus (+13,3% relativ zum Vorjahr ggü. Konsensschätzungen von nur 0,4%), was für eine anhaltende Belebung der Binnennachfrage in China spricht.

Abbildung 2: Neue Exportaufträge haben sich mittlerweile erholt

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Die Zahlen zum chinesischen Wachstum im Oktober erwartet. Wir gehen von einem offiziellen Wachstum von 3,5% relativ zum Vorquartal aus (5,2% im Vergleich zum Vorjahr), das damit weitgehend den Konsenserwartungen entspricht. Gleichwohl dürfte weiterhin eine große Differenz zwischen den offiziellen Daten und dem von unserem internen China Activity Indicator implizierten Wachstum bestehen. Letzterer müsste schon deutlich falsch liegen, damit wir uns stärker an den offiziellen Wachstumszahlen orientieren.

Japan: auf dem Weg zu einer leichten Erholung

Die Regierung und die Zentralbank Japans scheinen ihre jeweilige Politik in die richtige Richtung zu lenken, wenngleich sich Verbesserungen nur schrittweise bemerkbar machen. Die monatlichen Aktivitätsdaten zogen im September weiter an. Darin kommt eine leichte Wachstumserholung im 3. Quartal im Einklang mit unseren Prognosen (3,1% relativ zum Vorquartal) zum Ausdruck. In den folgenden Quartalen rechnen wir mit einem langsameren Wachstum.

Politisch betrachtet liegt der Fokus auf kurze Sicht weiterhin auf Hochfahren der Wirtschaft bei gleichzeitiger Bekämpfung lokaler Virenherde. Chefkabinettssekretär Katsunobu gab zu verstehen, dass Wahlen in diesem Jahr unwahrscheinlich seien, da die Eindämmung des Covid-19-Virus und die Stützung der Wirtschaft für die Regierung oberste Priorität haben. Somit ist bis Jahresende sehr wahrscheinlich mit weiteren Stimulusmaßnahmen und einem Nachtragshaushalt zu rechnen. Mit Blick auf das Frühjahr 2021 fallen die Wahlrisiken jedoch weiter hoch aus.

Günstigere Mobilfunktarife rücken das Inflationsziel in weitere Ferne

Die Regierung hat ihre Pläne zur Senkung der Mobilfunkgebühren weiter vorangetrieben. Der ehemals in Staatsbesitz befindliche japanische Telekomanbieter NTT kündigte an, die ausstehenden Aktien der Mobilfunksparte NTT DoCoMo aufkaufen zu wollen. Dies würde die Finanzlage von NTT stärken und das Unternehmen in die Lage versetzen, die Gebühren zu senken und das 5G-Netzwerk auszubauen. Andere große Telekommunikationskonzerne könnten diesem Beispiel folgen, was allgemeinere Preissenkungen zur Folge hätte. Dies könnte sich im nächsten Jahr vorübergehend negativ auf die Konsumentenpreisinflation auswirken.

Stärkere Zusammenarbeit zur Förderung von Reformen

Auf ihrer geldpolitischen Sitzung im September betonte die Bank of Japan (BoJ) die Notwendigkeit, das Wachstum im Hinblick auf die kurzfristigen Covid-19-bedingten Herausforderungen zu stützen. In der Forward Guidance der Bank kommt ein deutlicher Schwerpunkt auf die Fortsetzung der lockeren Geldpolitik zum Ausdruck. Darüber hinaus wird dem Inflationsziel nun weniger Beachtung geschenkt und mit einem späteren Erreichen gerechnet. Wichtiger ist der Zentralbank derzeit die enge Zusammenarbeit mit der Regierung zur Förderung struktureller und regulatorischer Reformen. Die Behörden hegen die Hoffnung, dass sich dies letzten Endes in den Wachstumserwartungen niederschlägt, wodurch wiederum die Inflation angekurbelt wird.

Ein Zentralbankmitglied schlug angesichts der Tatsache, dass auf kurze Sicht nicht mit Preisstabilität zu rechnen sei, eine Überarbeitung der Inflationsstrategie der BoJ vor. Diese Anmerkung fand sich am Ende der Stellungnahme der Zentralbank, was darauf hindeutet, dass die anderen acht Mitglieder nicht derselben Meinung sein könnten. Dies bekräftigt jedoch die Ansicht, dass eine Inflation von 2% kein realistisches Ziel mehr darstellt.

Leichte Entlastung nach Lockerung der Beschränkungen

Die unter japanischen Unternehmen durchgeführte Tankan-Umfrage der BoJ für das 3. Quartal zeigte auf, dass sich das Geschäftsumfeld nach Durchschreiten der Talsohle im 2. Quartal weiter normalisiert. Darin spiegelt sich die Aufhebung der Beschränkungen und ein Anstieg der externen Nachfrage wider. Bei großen Unternehmen ist aber nach wie vor nur eine moderate und bei kleinen Firmen eine noch schwächere Belebung zu beobachten. Dies legt eine nur verhaltene Erholung der Unternehmensgewinne nahe. Dies gilt vor allem für Dienstleistungssektoren wie das Gastgewerbe und Restaurants, die am stärksten von den Eindämmungsmaßnahmen in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Die Umfrage signalisierte überdies, dass die Unternehmen nach wie vor nur geringe Investitionen planen und angesichts der Unsicherheit stattdessen eher an ihren Barmitteln festhalten. Bei den Softwareinvestitionen ist hingegen mit einem Anstieg zu rechnen, da die Pandemie und der Übergang zu Heimarbeit die Unternehmen dazu ermutigt haben, ihre bestehenden technologischen Systeme und ihre Cloud-Infrastruktur aufzubessern.

Im August zogen die Einzelhandelsumsätze nach der Schwäche in den Sommermonaten infolge des neuerlichen Anstiegs der Infektionszahlen wieder an. Die Ausgaben für Freizeitaktivitäten fielen verhalten aus. Allerdings deuteten die Mobilitätsdaten für September auf eine durch die „Go To Travel“-Kampagne begünstigte Zunahme des Personenverkehrs hin. Dies lässt eine anhaltende Erholung der Ausgaben erwarten. Bislang entspricht die Entwicklung der Ausgabendaten unserem Ausblick für eine schrittweise Konsumbelebung.

Indes zeigten die Daten zur Industrieproduktion im August eine weitere Erholung im verarbeitenden Sektor auf. Dies ging in erster Linie auf den Automobilsektor und die aufgestaute Autonachfrage zurück. Die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe signalisieren einen Produktionsanstieg im September, der zum Teil dem Lagerabbau zu verdanken ist.

Im August stieg die Arbeitslosenquote um 0,1% auf 3%. Die Unterstützungsmaßnahmen der Regierung haben dazu beigetragen, den Stress am Arbeitsmarkt zu verringern. Es bestehen jedoch weiterhin Sorgen in Bezug auf ein plötzliches Wegbrechen der staatlichen Unterstützung. Wir gehen aber davon aus, dass die Zuschüsse für die Erhaltung der Arbeitsplätze, die im Dezember auslaufen sollten, verlängert werden.

Indien: verfrühter Optimismus?

In Indien könnten die harten Daten die optimistische Einschätzung der wirtschaftlichen Lage seitens indischer Unternehmensentscheider widerlegen. Die indischen Einkaufsmanagerindizes präsentierten sich im September überraschend stark. Dabei zog der Index für das verarbeitende Gewerbe von 52 auf 56 Punkte an. Die Produktionskomponente entwickelte sich mit 65 Punkten besonders stark. Während die Einkaufsmanagerindizes auf Optimismus der Unternehmen in Bezug auf eine starke Erholung schließen lassen, könnten die harten Daten unseres Erachtens ein anderes Bild zeichnen. Beispielsweise verbesserte sich der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im August von 46 auf 52 Punkte. Im selben Monat gab der „Eight Core Infrastructure Index“, der die Produktion acht wesentlicher Inputfaktoren für den Infrastruktursektor (z.B. Stahl und Zement) abbildet, um 3,3% nach.

Die Industrieproduktion in Indien hat bereits den Großteil des während des Lockdowns verlorenen Bodens wieder gutgemacht. Die Mobilität fällt im Vergleich zur Zeit vor Covid-19 jedoch weiterhin um rund 50% niedriger aus. Trotz der nur begrenzten Fortschritte Indiens bei der Eindämmung der Infektionszahlen werden die Beschränkungen weiter gelockert. Daher könnte es in konsum- und dienstleistungsorientierten Sektoren in den kommenden Monaten zu einer gewissen Belebung kommen.

Was die Politik anbelangt, so nahm die Reserve Bank of India (RBI) drei neue Mitglieder in ihren geldpolitischen Ausschuss auf. Der neu zusammengesetzte Ausschuss behielt den Leitzins unverändert bei und bekräftigte, weiterhin über die derzeit hohe Inflation hinwegzusehen. Unseres Erachtens dürfte die Gesamtinflation in den nächsten sechs Monaten wieder in die Zielspanne der RBI zurückkehren. Im Zuge der anhaltenden Lockerung der Beschränkungen dürften die Lebensmittelpreise sinken und einige Engpässe in der Lebensmittel-Lieferkette beseitigt werden. Die RBI verfügt über Spielraum, im nächsten Jahr weitere Unterstützungsmaßnahmen zu ergreifen, doch wir rechnen nicht mit wesentlichen Änderungen an ihrer geldpolitischen Haltung.

Eine Welle an Reformen

Im indischen Parlament wurde eine Reihe von Reformgesetzen mit Bezug zum Landwirtschaftssektor und zum Arbeitsmarkt verabschiedet. Dies ist Teil des Plans der Regierung, die unternehmerische Geschäftstätigkeit in Indien zu erleichtern. Beachtenswert sind vor allem die Landwirtschaftsreformen. Diese ermöglichen es Landwirten, ihre Erzeugnisse auch an anderen als den staatlichen vorgeschriebenen Märkten zu vertreiben. Damit sollen Bauern dabei unterstützt werden, den besten Abnehmer für ihre Erzeugnisse zu finden und einen höheren Anteil des letztendlich an den Einzelhandelsmärkten verlangten Preises zu erhalten. Wir sind jedoch skeptisch hinsichtlich der Gewinne, die sich tatsächlich für indische Kleinbauern ergeben werden. Es wird zweifelsohne einige Zeit dauern, bis sich die privaten Märkte etabliert haben. Bis dahin dürfte die Preisvolatilität in Verbindung mit der bestehenden Lebensmittel-Lieferkette Bestand haben.

Mit Blick auf die Arbeitsmarktreformen hat die Regierung ein Gesetz verabschiedet, das es Unternehmen mit maximal 300 Mitarbeitern ermöglicht, Arbeitnehmer ohne Genehmigung des Staates einzustellen und zu entlassen. Zuvor galt die Regelung nur für Unternehmen mit maximal 100 Mitarbeitern. Mit anderen verabschiedeten Arbeitsmarktreformen wurden strengere Bestimmungen hinsichtlich Gewerkschaften auferlegt. Letztere sind demnach nun verpflichtet, mindestens 10% der Arbeitnehmer in einem beliebigen Sektor zu vertreten und Streiks frühzeitig anzukündigen. Unseres Erachtens dürfte die größere Flexibilität bei Einstellungs- und Entlassungsentscheidungen kleinere Firmen effizienter machen und die Ressourcenallokation verbessern. Allerdings werden diese Schritte multinationale ausländische Konzerne, die in deutlich größeren Maßstäben denken, kaum zu Investitionen in Indien bewegen können.

Fazit

Die Konjunkturerholung in Asien könnte zum Teil auf den relativen Erfolg der Region – und dabei vor allem in China – bei der Eindämmung des Virus zurückzuführen sein. Ihr dürfte überdies der Konsumwandel in westlichen Ländern von Dienstleistungen hin zu Waren zugutekommen. Tatsächlich deuten die jüngsten Daten darauf hin, dass das Schlimmste in Bezug auf die Verwerfungen in der Lieferkette des verarbeitenden Gewerbes im Rest der Welt hinter uns liegt. Da die Covid-19-Infektionszahlen in Europa, den USA und andernorts weiter steigen, bleibt abzuwarten, ob diese positiven Trends Bestand haben werden.

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