Ausblick Asiatische Aktien – Griff in ein fallendes Messer

Zahlreiche Beobachter dürften Anlagen in asiatische Aktien derzeit mit dem Auffangen eines fallenden Messers gleichsetzen.

Die Kombination aus einem drohenden Handelskrieg, der Stärke des US-Dollars und dem Zinsanstieg hatte laut Angaben von Bloomberg bis Mitte November 2018 einen Einbruch des MSCI Asia ex-Japan Index um 16% zur Folge - angeführt von einem Rückgang des chinesischen CSI300 Index um 17,5%.

Zudem hat weltweit eine Wachstumsverlangsamung eingesetzt. Zusammen mit der Aussicht auf eine weitere Zinsstraffung in den USA könnte dies die asiatischen Volkswirtschaften 2019 weiter bremsen, vor allem jene, die ein Defizit aufweisen oder auf Ölimporte angewiesen sind.

Asiatische Währungen sind anfällig für einen starken Dollar, wobei die indische Rupie, die indonesische Rupiah und der philippinische Peso am empfindlichsten reagieren. Die Zentralbanken in Jakarta und Manila haben die Kreditzinsen zum Schutz ihrer Währungen angehoben, was Druck auf die Gewinnmargen der Unternehmen ausüben dürfte.

Auch die US-Handelszölle könnten die Unternehmensgewinne beeinträchtigen, vor allem in China, das mittlerweile ein wesentlicher Treiber des Wirtschaftswachstums in den Ländern der Region Asien-Pazifik ist.

Während die Auswirkungen der Zölle noch nicht vollständig zum Tragen kommen, deuten die jüngsten Daten auf eine Abkühlung der chinesischen Wirtschaft hin. Dabei sind die Anlageinvestitionen zurückgegangen und es zeichnet sich eine Verlangsamung der Aktivität im verarbeitenden Gewerbe ab.

All dies hat unter den Anlegern Zweifel in Bezug auf den kurzfristigen Ausblick für asiatische Aktien gesät.

Allerdings kann man der People‘s Bank of China keine Untätigkeit vorwerfen. Die Notenbank hat den Mindestreservesatz für liquide Aktiva, die Banken als Puffer in ihren Bilanzen führen müssen, in diesem Jahr um 2,5 Prozentpunkte gesenkt.

Zudem hat sie die Geldpolitik gelockert, um eine ausreichende Kreditverfügbarkeit in Schlüsselbereichen der Wirtschaft sicherzustellen, und die Zölle auf Nicht-US-Importe gesenkt, um die Kosten für Verbraucher und Unternehmen zu verringern.

Als Investor mit Fokus auf Substanz verfolgen wir in der Regel einen marktkonträren Ansatz. Wir sind bereit, gegen den Strom zu schwimmen, wenn die Datenlage dies erforderlich macht.

Die Wachstumsprognosen des Internationalen Währungsfonds für China, Indien und die ASEAN-Region für 2018 belaufen sich auf 6,6%, 7,3% bzw. 5,3% und liegen damit deutlich über den Erwartungen für das Wachstum weltweit (3,7%), in den USA (2,9%) und der Eurozone (2%).

Bei der Betrachtung der Unternehmensaussichten erkennen wir in Asien nach wie vor gutes Wachstumspotenzial. Die Konsensprognosen zu den Unternehmensgewinnen liegen bei 11% für 2018 und 10% für 20191. Vorsteuergewinne und Cashflow-Renditen steigen an, und zahlreiche Unternehmen weisen hohe Barbestände auf.

Die Bilanzstärke erweitert den Handlungsspielraum der Unternehmen. Sie können Investitionen in ihr eigenes Wachstum tätigen, die Dividendenausschüttungen beibehalten oder gar erhöhen und sie können Mittel für Forschungsaktivitäten z.B. im Bereich der technologischen Innovationen aufwenden, um das Unternehmen auf diese Weise für die Zukunft zu wappnen. All dies sind potenziell gute Nachrichten für Anleger.

Darüber hinaus haben die Marktkorrekturen in diesem Jahr einen Rückgang der regionalen Bewertungen unter die historischen Durchschnittswerte zur Folge. Die durchschnittlichen Kurs-Gewinn- und Kurs-Buchwert-Verhältnisse der im MSCI Asia Pacific ex-Japan Index enthaltenen Titel liegen niedriger als bei ihren im MSCI World, MSCI US und MSCI Europe vertretenen Pendants (vgl. Tabelle 1). Asiatische Aktien haben aufgrund der Verkaufswelle in diesem Jahr sogar weiter an Attraktivität gewonnen.

Tabelle 1

Asia is attractively valued

Quelle: RIMES, MSCI, Morgan Stanley Research, 26. Oktober 2018

Diese Daten bestärken uns in unserem seit Langem bestehenden Zutrauen in die Region. Wir sind zuversichtlich, dass das Bevölkerungswachstum sowie der Aufstieg der Mittelschicht und der Anstieg des Vermögens den Binnenkonsum über mehrere Jahre hinweg stützen werden. Daher suchen wir nach starken Konsumunternehmen, die gut positioniert sind, um von dieser strukturellen Entwicklung zu profitieren.

China richtet seine Wirtschaft erfolgreich auf den Konsum und den Dienstleistungssektor im Inland aus, um so unabhängiger zu werden. Die Einnahmen und Kosten der binnenwirtschaftlich orientierten Unternehmen lauten auf den Renminbi und ihre Kunden und Lieferketten sind im Inland beheimatet. Dies trägt zum Schutz vor einer RMB-Abwertung oder den Auswirkungen eines Handelskrieges bei.

In ähnlicher Weise dürften sich laut Angaben des National Council of Applied Economic Research, einer in Neu Delhi ansässigen Denkfabrik, die durchschnittlichen realen Löhne in Indien zwischen 2013 und 2030 vervierfachen und die Mittelschicht des Landes bis 2025/26 um über das Doppelte auf 57 Millionen Menschen anwachsen. Den indischen Konsumenten steht in den nächsten zehn Jahren ein wesentlicher Wandel bevor.

Unseres Erachtens zeichnet dies einen positiven Ausblick für die Unternehmensgewinne 2019 und darüber hinaus.

Chancen nutzen

Wir sind fundamentale Stock-Picker, keine themenorientierten Anleger. Unsere Sektorengagements konzentrieren sich auf Bereiche, in denen wir aus unserer Sicht interessante Unternehmen ausgemacht haben. Gleichwohl berücksichtigen wir bei Betrachtung der Wachstumsaussichten eines Unternehmens auch den Branchenausblick.

In China dürften sich Unternehmen aus den Bereichen Versicherung, Reisen, Internettechnologie und Basisgüter positiv entwickeln. Dies sind Dinge, die mit zunehmendem Wohlstand verstärkt nachgefragt oder die als unerlässlich erachtet werden.

Wir haben uns die jüngste Korrektur zunutze gemacht, um unsere Engagements aufzustocken und neue Titel in das Portfolio aufzunehmen. Unternehmen, die vom Wachstum in der Tourismusbranche und von Trends wie der Elektrifizierung und autonomen Fahrzeugen profitieren dürften, schätzen wir positiv ein.

In Indien haben sich Aktien dieses Jahr je nach Sektor uneinheitlich entwickelt. Finanzdienstleistungen litten deutlich unter dem Zahlungsausfall von IL&FS, einem Anbieter von Infrastrukturkrediten, in dessen Zuge auch indische Qualitätsbanken in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Unseres Erachtens waren die Kursverluste nicht gerechtfertigt, und wir rechnen mit einer Erholung bei finanziell gut aufgestellten Instituten mit hoher Einlagenfinanzierung und einem bewährten Asset-Liability-Management.

Für den Banksektor als Ganzes erkennen wir gute Perspektiven für 2019. Die geldpolitische Straffung seitens der US Federal Reserve hat dem Dollar Auftrieb verliehen und Zinserhöhungen in Asien nach sich gezogen. Dies dürfte die Nettozinsmargen der Banken beflügeln, während die sich stabilisierenden Kreditkosten die Gewinne stützen.

Auch der Ausblick im IT-Sektor stimmt uns zuversichtlich, vor allem bei führenden Halbleiterherstellern, die in der Lage sind, ihre starken Bilanzen für Investitionen in modernste Technologien der nächsten Generation zu nutzen.

1 Quelle: Factset, IBES, Goldman Sachs Global Investment Research, September 2018

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