Gleichberechtigung beginnt zu Hause: Elternzeit

Stephanie Kelly, Deputy Head of Research Institute
Nancy Hardie, Macro ESG analyst
Abigail Watt, Quantitative research economist
And Jeremy Lawson, Chief Economist

Die erste Ausgabe unserer Reihe „Rolle der Frau“ beschäftigt sich eingehend mit den ersten Erkenntnissen aus unserem Research: Politische Entscheidungsträger und Unternehmen müssen sicherstellen, dass Männer die Möglichkeit haben, Elternzeit in Anspruch zu nehmen, und für stärkere Anreize sorgen, dass sie dies auch tun, damit die Belastung infolge kinderbedingter Karriereunterbrechungen gleichmäßiger verteilt ist. Das Konzept der Elternzeit ist ein starkes politisches Instrument, mit dem sich die Erwerbsbeteiligung von Frauen erhöhen lässt, ohne dabei jene der Männer zu verringern.

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Eine höhere Diversität und Inklusivität der Belegschaft kann die wirtschaftliche Performance verbessern, indem die Auslastungsquote sowie die Produktivität der Belegschaft durch besseren Einsatz von Humankapital gesteigert werden. In einer von alternden Bevölkerungen und verhaltenem Produktivitätswachstum geprägten Welt könnten Bemühungen um eine größere Diversität und stärkere Inklusion der Weltwirtschaft dringend benötigten Auftrieb verleihen.

Die unverhältnismäßig hohe Belastung, die sich durch die Betreuung von Kindern für Frauen ergibt, stellt den Hauptgrund dafür dar, dass deren Erwerbsquote in den Industrieländern systematisch niedriger ausfällt als jene der Männer. Kulturelle und persönliche Präferenzen sind nicht Gegenstand unseres Research. Vielmehr gehen wir der Frage nach, wie die Politik den Konflikt zwischen Arbeit und Betreuung möglicherweise noch verschärft, und zeigen Möglichkeiten auf, mit denen sich die Schwere der sogenannten „Child Penalty“ (Einkommenseinbußen durch die Geburt eines Kindes) verringern ließe.

Dennoch ist das Konzept von Elternzeit nach wie vor nicht weit verbreitet. Wie die Erfahrungen Japans zeigen, reichen großzügige Elternzeitregelungen an einem Markt, an dem Präsentismus und geschlechterspezifische Diskriminierung vorherrschen, nicht aus, um die Kluft bei der Erwerbsbeteiligung zwischen den Geschlechtern zu überwinden. Daraus lassen sich wesentliche Erkenntnisse für alle Länder ableiten: So sollten die politisch Verantwortlichen und Unternehmen Elternzeitregelungen zusammen mit Regelungen für das Arbeitsumfeld als Ganzes betrachten, darunter Anreize für eine größere Flexibilität bei Beschäftigungsverhältnissen und Strafen für Diskriminierung und Mobbing am Arbeitsplatz.

Schweden stellt ein Gegenbeispiel dafür dar, wie die Inanspruchnahme von Elternzeit mit der Zeit gesteigert werden kann. Durch die Einführung väterspezifischer Regelungen (sogenannte „Vatermonate“), welche die gesamte Inanspruchnahme von Elternzeit ankurbeln, konnte in Schweden der Anteil an Männern, die Elternzeit nutzen, erhöht werden. Ähnliche Ansätze werden auch in Island und Norwegen verfolgt, um die Inanspruchnahme aktiv zu fördern. Dort fällt der Anteil der Männer, die in Elternzeit gehen, ebenfalls überdurchschnittlich aus.

Die Bedeutung von Elternzeit für die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist dabei nur ein – wenngleich sehr wichtiges und bislang eher außer Acht gelassenes – Teil eines deutlich komplexeren Puzzles in Bezug auf die Arbeitnehmerschaft der Zukunft. In künftigen Beiträgen dieser Reihe beleuchten wir weitere politische Regelungen wie Steuerentscheidungen und Arbeitsschutz.

Unser Research unterstreicht die Rolle der Politik und Unternehmen bei Betrachtung der sozialen Komponente von ESG-Anlagen. Unternehmen und Regierungen können mit ihren Regelungen und Gesetzen maßgeblich zur Bekämpfung systemischer Ungleichheiten beitragen. Anleger sollten diese Informationen bei ihren Anlageentscheidungen in Betracht ziehen und sich für bessere Regelungen, denen eine hohe Bedeutung zukommt, stark machen.

Grafik 1: Beitrag von Elternzeitregelungen zur Erwerbsbeteiligung von Frauen

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Quelle: OECD, ASI (Stand: 2020) *wobei 0 = keine gesetzliche Elternzeitregelung.



Bleiben Sie in Bezug auf diese Beitragsreihe auf dem Laufenden

Dies ist die erste Ausgabe unserer umfassenden Research-Reihe zum Thema „Rolle der Frau“. Wir werden im Jahresverlauf weitere Beiträge veröffentlichen. Bleiben Sie also auf dem Laufenden, indem Sie unseren Research Hub besuchen, wo Sie verwandte Artikel, bevorstehende Ereignisse und Links zum Herunterladen des vollständigen Research Working Paper finden.

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