Wie wichtig ist ein effektiver Cyber-Schutz?

Globaler Ausblick

James Esland, Investment Director, Multi-Asset Solutions

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie den Begriff „Cybersicherheit“ hören? Vielleicht an mehr oder weniger gut funktionierende Firewalls aus den 1990er-Jahren oder an futuristische Cyber-Krieger mit Laserschwertern? Vielleicht aber auch an Zeitgenossen, die ihre Laptop-Kamera mit Klebeband verdecken, um sich gegen Spione aus dem Internet zu wappnen.

Tatsächlich können wir uns Cybersicherheit als gigantischen Eisberg vorstellen. Sein riesiges Volumen umfasst alle möglichen Szenarien: vom Kampf gegen Hardware-Attacken auf Server (um fremden Regierungen den Zugriff auf die heimische Kommunikationsinfrastruktur zu verwehren) bis zu medizinischen oder militärischen Anwendungsbereichen. Als Privatperson sehen wir meist nur die Spitze dieses lästigen Eisbergs. Unser Kontakt mit dem Thema beschränkt sich darauf, Dutzende von Passwörtern zu verwalten und regelmäßig zu ändern.

Die alles entscheidende Frage lautet: Wie viel Cybersicherheit braucht die Welt?

Cybersicherheit ist eng mit zentralen Aspekten unseres Lebens verwoben, sei es IT-Technologie, das Internet oder auch die Digitalwirtschaft. Dies macht sie zu einem Thema, dessen Bedeutung ständig wächst. Aber wie groß ist der Bedarf an Cybersicherheit wirklich? Welche Summen sollten Staaten dafür aufwenden? Die Antwort darauf ergibt sich grob gesagt aus mehreren Faktoren: der Zahl der IT-Nutzer und der von ihnen verwendeten Geräte, der Nutzungshäufigkeit und -dauer sowie den Folgen, die ein Sicherheitsproblem mit sich bringt. Betrachten wir diese Faktoren ein wenig genauer.

Im Englischen wird das Wort „User“ sowohl für Anwender von Technologien als auch für Drogenabhängige verwendet. Wenn ich an die Zeit denke, die mein Neffe mit Fortnite verbringt, ist die zweite Bedeutung gar nicht so abwegig. Allerdings muss ich zugeben, dass er sein Tablet so gut beherrscht, wie ich das niemals tun werde. Grundsätzlich wird ein immer größerer Teil der Weltbevölkerung zur Gruppe der Digital Natives gehören. Auch in den Schwellenländern sind sinkende Anschaffungskosten, die Einführung des 5G-Standards und ein steigender Energieverbrauch eindeutige Hinweise dafür, dass die Zahl der Nutzer zunimmt.

Bei dieser Gelegenheit muss ich daran denken, wie ich jüngst ein paar Küchengeräte für mein neu renoviertes Haus kaufen wollte. Die Erfahrung war durchaus interessant, aber mal ehrlich: Muss eine Dunstabzugshaube wirklich mit dem WLAN verbunden sein? Warum sollte ich meinen Herd einschalten wollen, wenn ich gar nicht zu Hause bin? Wir stehen erst am Anfang des Internets der Dinge. Nur allzu oft bieten die Hersteller Lösungen für Probleme, die überhaupt nicht existieren. Aber wenn Konnektivität weniger kostet und Schnittstellen besser werden, könnte es durchaus interessant sein, dass mein Kühlschrank selbstständig Milch nachbestellt.

Auch ein Blick auf die private Technologienutzung macht deutlich, wohin die Reise geht. Als ich klein war, gab es in unserer Familie nur einen einzigen PC, auf dem noch Windows 95 lief. Als Teenager hatte ich ein einfaches Nokia-Handy, das nur für absolute Notfälle gedacht war. Heute besitze ich digitale Endgeräte in allen Größen und Formen. Und mit allen sieben Geräten kann ich ins Internet. Ich besitze diese Geräte, obwohl ich bis heute nicht weiß, warum ich eine Armbanduhr brauche, die mir mitteilt, welche Anrufe und Mails auf meinem Smartphone eingehen. Zugleich erledige ich inzwischen fast alle Bankgeschäfte mit dem Smartphone. Bargeld habe ich nur noch für Ausnahmefälle bei mir: Falls beispielsweise ein Kartenterminal defekt sein sollte oder ich ein Taxi bezahlen muss.

Mehr Sicherheit bei der Vernetzung

Kommen Ihnen die Einblicke in mein persönliches Nutzungsverhalten bekannt vor? Sie zeigen jedenfalls, dass die Konnektivität für uns Konsumenten ständig an Bedeutung gewinnt (berechnet als Nutzerzahl x Gerätezahl x Nutzungshäufigkeit x Wert). Für Unternehmen und Regierungen stellt sich die Situation kaum anders dar – trotz unbestreitbarer Defizite bei der staatlichen Umsetzung von IT-Projekten. Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass ein Hacker-Angriff auf Regierungseinrichtungen oder Unternehmen gemeldet wird. Dabei ist es bei der Cybersicherheit wie in der Luftfahrt: Für Aufsehen sorgen nur Abstürze. Die Tausenden Flugreisen, die völlig problemlos ablaufen, sind uns keine Meldung wert. Erfolgreiche Angriffe aus dem Internet machen deutlich, dass Cybersicherheit ganz ähnlich funktioniert wie der Schutz eines Grundstücks. Ein Loch im besten Zaun genügt, damit Eindringlinge aufs Gelände kommen. Für Unternehmen kann dies sehr, sehr teuer werden, weshalb sie sich mit noch höheren und aufwendigeren Zäunen schützen.

COVID-19 und dessen Folgen für die Cybersicherheit

Bestehende Trends im Bereich Cybersicherheit wurden durch COVID-19 unseres Erachtens noch verstärkt. Der Lockdown hat viele Verbraucher dazu gebracht, erstmals online einzukaufen – und viele fanden die Erfahrung gar nicht so schlecht. Wer in der Zeit vor dem Lockdown im stationären Handel noch schnell Weihnachtseinkäufe erledigte, weiß: Mit all den Beschränkungen macht das nicht so viel Spaß. Auch in der Arbeitswelt hat sich mit steigenden Homeoffice-Zahlen einiges geändert. Ohne lange Anfahrt ins Büro und mit der Möglichkeit, parallel zu Meetings noch andere Dinge abzuarbeiten, erhöht sich bei vielen die Produktivität. Meine Mittagspause hat sich im Homeoffice auf ca. 15 Minuten verkürzt. Auch wenn wir uns alle auf die Rückkehr ins normale Leben freuen: Bleibende Lockdown-Risiken und Einsparpotenziale dürften dazu führen, dass Homeoffice, Automatisierung und Technologie weiter an Bedeutung gewinnen. Und damit steigt auch die Nachfrage nach Cybersicherheit.

Nimmt die Nachfrage entsprechend unseren Prognosen zu, wird dies verschiedenen Unternehmen an unterschiedlichen Stellen der Wertschöpfungskette zugutekommen. Softwarefirmen und IT-Berater zählen ebenso dazu wie Hardware-Hersteller und selbst Telekommunikationsanbieter. Um uns dieses Wachstum im Rahmen einiger unserer Multi-Asset-Strategien zunutze zu machen, nehmen wir zunächst eine qualitative Bewertung vor. Auf diese Weise können wir die potenziellen Nutznießer dieser Entwicklung ermitteln. Danach filtern wir mittels quantitativer Verfahren diejenigen heraus, die uns am vielversprechendsten erscheinen. Wir unterziehen unseren Aktienkorb einer regelmäßigen Überprüfung, um neuen Informationen und Erkenntnissen Rechnung zu tragen. Mit dieser und anderen aktiven, themenbezogenen Anlagestrategien bieten wir unseren Kunden Zugang zu den attraktivsten Wachstumsbereichen.

 

Bildquelle – STEVEN LISBERGER FILM COMPANY DISNEY / Alamy Stock Photo

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