Japans Plan geht über verschobene Olympische Spiele hinaus

Ein besonnener Umgang mit der Corona-Pandemie und den Altlasten des Krisenmanagements ermöglicht es Japans Unternehmen, sich auf den Aufschwung vorzubereiten – ob die Olympischen Spiele nun im nächsten Jahr stattfinden oder nicht.

Die Stadtverwaltung hatte viele Milliarden Yen für die Durchführung des nur alle vier Jahre stattfindenden sportlichen Mega-Ereignisses bereitgestellt, das offiziell den Namen Tokio 2020 hätte tragen sollen.

Doch zum ersten Mal in der Geschichte wurden die Olympischen Spiele und die Paralympics nicht abgesagt, sondern verschoben. Abgesagt wurden die olympischen Wettkämpfe 1940 wegen des Zweiten Weltkriegs. Ironie der Geschichte: Auch damals wäre Tokio der Austragungsort gewesen. 1916 und 1944 fanden sie ebenfalls nicht statt, ebenfalls kriegsbedingt.

In diesem Jahr war es eine vom Coronavirus ausgelöste Pandemie, die die sportlichen Pläne durchkreuzte. Tokio verschob daraufhin die Spiele auf Juli/August 2021 – fast genau ein Jahr später. Immer noch trägt das Mega-Event den Namen „Tokio 2020“ und wird nun als ein „Leuchtturm der Hoffnung für die Welt in diesen unruhigen Zeiten“ hochstilisiert.

Aber ohne einen wirksamen Impfstoff lässt sich den Spielen im nächsten Jahr kaum mit Zuversicht entgegensehen. Unverändert richtet das Lungenvirus verheerenden Schaden in den Volkswirtschaften rund um den Globus an, die vielerorts, kaum dass sie aus dem Lockdown herauskommen, schon wieder mit neuerlichen Ausbrüchen zurechtkommen müssen.

Auch Japan erlebt gegenwärtig einen starken Wiederanstieg der Infektionszahlen. Mit seiner alternden Gesellschaft, in der mehr als ein Viertel der Menschen 65 Jahre oder älter ist, bleibt es besonders anfällig für die Lungenkrankheit Covid-19. Dennoch musste Nippon bislang nur 21.500 Infektionen und weniger als 1.000 Todesfälle melden, was im globalen Vergleich erstaunlich wenige sind.

Japans Regierung hat nicht zu extremen Ausgangssperren gegriffen. Dies ist auch ein Grund, warum sich die wirtschaftlichen Folgen verglichen mit anderen Ländern stark in Grenzen halten.

Ermutigend ist, dass Japans Regierung nicht zu extremen Ausgangssperren greifen musste. Dies ist auch ein Grund, warum sich die wirtschaftlichen Folgen verglichen mit anderen Ländern stark in Grenzen halten.

Tatsache ist, Japan hat einen Plan. Statt Menschen stichprobenartig zu testen, konzentriert man sich im Land der aufgehenden Sonne auf eine strikte Kontaktverfolgung, um potenzielle Super-Spreader aufzuspüren und zu isolieren. Denn Lockdowns scheinen die Ausbreitung dieses neuartigen Virus nur vorübergehend einzudämmen. Werden sie aufgehoben, breitet sich Covid-19 wieder aus.

Zudem hat Japan Erfahrung mit der Bewältigung großer Schocks für seine Wirtschaft, die vor allem auf Naturkatastrophen zurückzuführen sind, die das Land häufig heimsuchen. Mit der Mobilisierung fiskalischer Ressourcen kennen sich die Japaner nach jahrzehntelanger wirtschaftlicher Stagnation ebenfalls bestens aus.

Um den Auswirkungen der Corona-Krise entgegenzuwirken, hat die Regierung Konjunktur- und Hilfspakete in Höhe von 1 Billion US-Dollar aufgelegt. Das entspricht fast 20% der Wirtschaftsleistung des Landes. Zugleich hat sie eine neue Wachstumsstrategie vorgestellt, mit der der bargeldlose Zahlungsverkehr, die Digitalisierung und diverse Arbeitsformen zusätzlichen Schub bekommen sollen.

Für ein Land, in dem immer noch Bares Wahres ist, ist dies ein schwieriges Unterfangen. Japan hat in der Vergangenheit immer wieder einen grundlegenden Wandel vollzogen und ist aus jedem gestärkt hervorgegangen.

Dank seiner schrumpfenden Bevölkerung profitiert es von einer niedrigen Arbeitslosigkeit. Und seine Arbeitsmarktprogramme schützen die Menschen besser vor Einkommensverlusten. Die größere Arbeitsplatzsicherheit in Japan kann in einer Weise, auf die nur wenige Länder zählen können, die Verbraucherausgaben nachhaltig stützen.

Darüber hinaus sind Nippons Firmen aufgrund der Erfahrungen aus der Schuldenkrise der 1990er Jahre, als die Banken die Kreditvergabe einschränkten und den Unternehmen das Betriebskapital knapp wurde, im Vergleich ziemlich kapitalkräftig: 55% der Nicht-Finanzunternehmen verfügen über eine Netto-Cash-Position, während es in den USA nur 14% sind.

Auch sinkt die Verschuldung der japanischen Unternehmen seit sechs Jahren in Folge. Dadurch sind sie besser in der Lage, nicht nur der Konjunkturabkühlung infolge der Corona-Pandemie standzuhalten, sondern auch Wachstumsinitiativen umzusetzen – auch wenn die kurzfristigen Gewinnaussichten eher diffus sind.

Viele Unternehmen, bei denen wir engagiert sind, sehen die gegenwärtige Krise nach eigenen Angaben als Gelegenheit für eine operative Straffung und eine bessere Vorbereitung auf einen etwaigen wirtschaftlichen Aufschwung.

Der Klimaanlagenhersteller Daikin1 möchte seine Lieferkette stärken und die durch den Virus-Ausbruch verursachte Nachfrage nach Luftreinigung für sich nutzen. Unterdessen ergreift das Kosmetik- und Hautpflegeunternehmen Shiseido die Gelegenheit, um Anpassungen seiner Kostenstruktur zu beschleunigen und die Erträge aus seinen Marketingausgaben zu steigern.

Ähnlich verhält es sich mit dem Maschinen- und Werkzeughersteller Amada der eine Verschlankung seiner Kostenstruktur anstrebt und sich gleichzeitig verstärkt auf Wachstumsbereiche in der Automatisierung konzentrieren möchte, in denen er eine durch Covid-19 bedingte Nachfragebelebung erwartet.

Im Automobilsektor arbeitet Stanley Electric Electric vor dem Hintergrund der Pandemie ebenfalls an einer Verbesserung seiner Kostensituation. Das Unternehmen möchte zudem vom Aufwind bei E-Fahrzeugen profitieren, die von den Regierungen mit dem Ziel gefördert werden, die Emissionen zu senken und die Energieeffizienz zu steigern. Wir gehen zudem davon aus, dass das Hybridfahrzeug-Portfolio von Toyota Motor in naher Zukunft von dieser Verschiebung profitieren wird, insbesondere in China.

Parallel zu ihren Erholungsplänen für die Zeit nach Corona bessern japanische Firmen ihre Bilanz in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance (ESG) auf. In unserem Anlageuniversum sehen wir positive Veränderungen bei Kapitaleffizienz und Unternehmensführung.

Einige Unternehmen haben erste Aktienrückkäufe angekündigt und geben höheren Aktionärserträgen den Vorzug vor anhaltend hohen Cash-Beständen. Dadurch erhöhen sich die Eigenkapitalrenditen.

Keyence steigert das zweite Jahr in Folge seine Dividendenausschüttungsquote, was einen beachtlichen Fortschritt bedeutet. Nihon M&A arbeitet unterdessen an einer Verbesserung seiner Offenlegungen sowie an einer Vertiefung der Diskussionen über die Diversität im Vorstand und die Nachfolgeplanung.

Wir setzen uns nachdrücklich dafür ein, dass die Aktionärserträge gesteigert werden können, wobei wir davon ausgehen, dass gute Unternehmensführung, solides Kapitalmanagement und die Performance des Unternehmens eng miteinander verknüpft sind.

Noch schwanken die Märkte zwischen der Vorbereitung auf eine nachhaltige Erholung und dem Wappnen gegen die nächste Welle der Pandemie. Anleger, die bereit sind, die damit verbundenen Schwankungen auszusitzen, können Unternehmen aufspüren, die längerfristig wachsen können, indem sie aus sich heraus schlanker und produktiver werden.

Japan ist nach wie vor die Heimat zahlreicher Unternehmen von Weltrang. Viele sind in ihren Branchen weltweit führend, haben solide Geschäftsmodelle und sind in Bereichen mit strukturellem Wachstum tätig - sei es in der Robotik, bei Basiskonsumgütern oder Innovationen im Gesundheitswesen.

Unabhängig von der Corona-Pandemie und ganz gleich, ob Japan durch das Nachholen der Olympischen Spiele im nächsten Jahr einen Boom im Tourismus erlebt: Seine Qualitätsfirmen können ihren Aktionären auch weiterhin Wachstum bieten.

1 Wir sind bei den fett geschriebenen Unternehmen engagiert. Die Unternehmensauswahl soll lediglich den hier beschriebenen Anlageverwaltungsstil veranschaulichen und stellt weder eine Anlageempfehlung noch einen Hinweis auf die künftige Wertentwicklung dar.

Bild Credit: Toru Hanai/Bloomberg/Getty Images

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