Asien als Zufluchtsort in 2020

Asiatische Aktien können Anlegern Schutz vor der Abkühlung des globalen Wachstums und vor den Zöllen bieten

Angesichts der globalen Wachstumsverlangsamung in Verbindung mit den zunehmenden Handelsbarrieren und der fragilen geopolitischen Lage haben sich die Anleger auf der Suche nach Schutz in verschiedenste Bereiche der Finanzmärkte geflüchtet.

Was die asiatischen Volkswirtschaften anbelangt, so wurden die Exporte und das verarbeitende Gewerbe am stärksten in Mitleidenschaft gezogen. Die Belastungen für das Geschäftsklima und das Verbrauchervertrauen zeigen sich in rückläufigen Auftragseingängen und Zurückhaltung bei optionalen Ausgaben.

Und trotz der Anzeichen einer Annäherung im Handelsstreit zwischen den USA und China scheint eine Lösung auf kurze Sicht unwahrscheinlich, da sich die Folgen nicht nur im Handel, sondern auch in den Investitionen, im Technologiebereich, in Unternehmenssanktionen und in den Währungen niederschlagen.

Allerdings geht die schlechtere Stimmung auf makroökonomische und geopolitische Faktoren zurück, nicht auf die Fundamentaldaten. Mit Blick auf die Region Asien-Pazifik erkennen wir Gründe für Optimismus.

Die Regierungen und Zentralbanken haben sich in diesem Jahr in ihren fiskal- und geldpolitischen Bestrebungen, das Wachstum, die Liquidität und das Geschäftsklima anzukurbeln, besser aufeinander abgestimmt. Dies schafft ein positives Umfeld für 2020.

Überdies bedeutet das orthodoxe Vorgehen der Geldpolitik in Asien, dass die dortigen Volkswirtschaften aus fundamentaler Sicht besser aufgestellt sind als ihre westlichen Pendants. Da die Inflation in der Region weitgehend verhalten ausfällt, besteht Spielraum für weitere geldpolitische und makroprudenzielle Lockerungsmaßnahmen, die den Volkswirtschaften Auftrieb verleihen und das Wachstum stützen.

Investoren sollten im Blick behalten, dass der IWF im Rahmen seines Weltwirtschaftsausblicks derzeit davon ausgeht, dass in diesem Jahr 71% des globalen Wirtschaftswachstums auf die Region Asien-Pazifik entfallen (gemessen an der Kaufkraftparität).

Zunehmender Wohlstand in der Region beflügelt die Nachfrage nach Konsum- und Finanz- sowie Versicherungs- und Gesundheitsdienstleistungen

Die Unternehmensbilanzen und die finanzielle Lage der Privathaushalte in der Region gestalten sich ebenfalls solider. Unternehmen außerhalb der Finanzbranche in der Region Asien ohne Japan weisen laut Daten von Jeffries von Ende August im Schnitt eine Nettoverschuldungsquote von 24,5% auf. Im Vergleich dazu liegt dieser Wert bei entsprechenden US-Firmen bei 73%. Somit sind die asiatischen Unternehmen besser gegen etwaige Belastungsfaktoren gewappnet.

Auch auf struktureller Ebene sind Trends erkennbar, welche die Anleger im Auge behalten sollten. So beflügelt der zunehmende Wohlstand in der Region beispielsweise die Nachfrage nach Konsum- und Finanz- sowie Versicherungs- und Gesundheitsdienstleistungen. Diese Segmente sind auf die Binnennachfrage ausgerichtet, sodass sie einen gewissen Schutz vor dem Handelskonflikt bieten.

Trotz der solideren Fundamentaldaten erscheinen asiatische Aktien zudem recht günstig bewertet. Das 12-Monats-Kurs-Buchwert-Verhältnis für Titel im MSCI AC Asia Pacific ex-Japan Index bewegt sich unter dem 10-Jahres-Durchschnitt. Obschon sich der Gewinnausblick eingetrübt hat, stabilisieren sich die Abwärtskorrekturen bei den Gewinnen.

Chinesischer Binnenmarkt

Infolge der schwachen Konjunkturindikatoren hat die People‘s Bank of China mit entsprechenden Maßnahmen die Kosten für Unternehmensfinanzierungen gesenkt. Die Behörden haben zudem Schritte zur Belebung der Konsumnachfrage eingeleitet und die Regelungen in Bezug auf die Infrastrukturfinanzierung gelockert. Die wirtschaftlichen Unterstützungsmaßnahmen dürften unseres Erachtens auch 2020 fortgesetzt werden.

Angesichts der gezielten Stimuli schätzen wir den Wachstums- und Gewinnausblick binnenwirtschaftlich orientierter chinesischer Unternehmen positiv ein. Da China seine Abhängigkeit von Exporten schrittweise verringert, wird das Wachstum des Landes künftig durch den Binnenkonsum und eine wachsende Mittelschicht getragen.

Alle Unternehmen, die unser Anlageteam im Zuge einer jüngst erfolgten Reise durch China besucht hatte, äußerten Unsicherheit im Hinblick auf den Zeitpunkt einer Erholung – mit Ausnahme jener Firmen, die von strukturellen Trends profitieren, z.B. in den Bereichen Reisen und Gesundheit.

In den wohlhabenderen Städten – Peking, Shanghai, Hangzhou und Shenzhen – wimmelt es jedoch in den Geschäftsvierteln von kauflustigen Konsumenten und die Restaurants sind gut besucht. An den inländischen und internationalen Flughafen-Terminals drängen die Massen in die Duty-Free-Shops, wobei Beauty-Produkte besonders begehrt sind. Darin kommt die Widerstandskraft der konsumorientierten Mittelschicht zum Ausdruck.

Durch Ermittlung von Unternehmen, die sich dieses steigende verfügbare Einkommen zunutze machen, lässt sich unserer Ansicht nach Mehrwert für die Aktionäre erzielen. Dabei bevorzugen wir gut geführte Unternehmen, die in Bereichen der Wirtschaft tätig sind, welche vom zunehmenden Wohlstand der chinesischen Verbraucher profitieren dürften, z.B. Reisen, Luxusgüter, Gesundheit und Versicherungen. Dies sind einige der Dinge, die mit steigendem Wohlstand nachgefragt werden.

Indien und Indonesien

In Indien und Indonesien haben wir ähnlich große Hoffnungen in Bezug auf binnenwirtschaftlich orientierte Unternehmen. Beide Länder zeichnen sich - wie auch China - durch schnell wachsende Volkswirtschaften und eine große Bevölkerung aus, die den Konsum stützt.

Die Regierung in Neu-Delhi hat Maßnahmen zur Ankurbelung des langsamen Wachstums sowie des Geschäftsklimas und der Unternehmensgewinne eingeleitet. Die politisch Verantwortlichen haben den Steuersatz für inländische Unternehmen von 34% auf 25% und den Steuersatz im verarbeitenden Gewerbe auf 17% gesenkt. Indien liegt damit nun auf Augenhöhe mit Hongkong und Singapur./p>

Im Finanzsektor strebt die indische Zentralbank eine Rekapitalisierung und Konsolidierung angeschlagener Banken in Staatsbesitz an. Führende Retail-Banken mit starkem Einlagengeschäft und hoher Preissetzungsmacht dürften hiervon am deutlichsten profitieren.

In Sektoren wie Zement und Immobilien scheint ebenfalls eine Konsolidierung bevorzustehen. Defensive Basiskonsumgüter-Unternehmen und IT-Dienstleister könnten hingegen Schutz bieten, und Lebensversicherern und Biotech-Firmen dürften weiterhin von strukturellen Trends profitieren.

In Indonesien nehmen die ausländischen Direktinvestitionen allmählich zu, nachdem Joko Widodo, der eine reformfreundliche Agenda verfolgt, erneut zum Präsidenten gewählt wurde. Diese Entwicklung dürfte unsere Erachtens angesichts der niedrigen Produktionskosten des Landes, der verbesserten Infrastruktur und der starken Nachfrage seitens der Einwohner des bevölkerungsreichsten Landes in Südostasiens Bestand haben.

Die Zentralbank hat die Zinsen in diesem Jahr viermal gesenkt, was Großbanken mit umfangreicher Finanzierungsbasis und liquider Bilanz zugutekommen dürfte. Anleger könnten auch ein Engagement im Immobiliensektor in Erwägung ziehen. Dieser zeichnet sich durch attraktive Bewertungen aus, da die Aktienkurse den Großteil der Negativmeldungen bereits berücksichtigen.

Trotz seiner zuletzt schwachen Entwicklung schätzen wir den Zementsektor weiter positiv ein, da die Pro-Kopf-Nachfrage nach Zement hier im Vergleich der ASEAN-Ländern am niedrigsten ausfällt und die Branche von einer Konsolidierung profitieren würde. Auch den Gesundheitssektor beurteilen wir angesichts der relativ geringen Durchdringung in Indonesien weiter positiv. Das Gesundheitswesen stellt zudem einen Bereich dar, den Präsident Jokowis in seiner zweiten Amtszeit reformieren möchte.

Zuflucht in Asien

Vor dem Hintergrund erhöhter Unsicherheit scheinen Qualitätsunternehmen in schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften mit großen und immer wohlhabenderen Bevölkerungen ein geeigneter Ort, um 2020 Schutz zu suchen.

Im Vergleich zu ihren westlichen Pendants bieten sie aufgrund ihrer stärkeren Fundamentalfaktoren sogar einen besseren Kapitalschutz und weisen ein höheres Potenzial für Dividendenwachstum auf, da sie in der Lage sind, nachhaltige Cashflows zu erwirtschaften.

Wir bevorzugen Marktführer mit Exposure zu wesentlichen strukturellen Wachstumsthemen. Beispielsweise dürften die rasche Urbanisierung und der Infrastrukturbedarf unserer Ansicht nach ausgewählten Immobilienentwicklern, Zementherstellern und Anbietern von Wohnungsbaufinanzierungen zugutekommen.

Die Anleger sollten auch die Konsumtrends der wachsenden Mittelschicht im Auge behalten. Der Versicherungsschutz fällt in Indien und China nach wie vor relativ niedrig aus, und wir rechnen mit einer steigenden Nachfrage nach Verbraucherfinanzierungen und Vermögensverwaltungsdienstleistungen.

Überdies schätzen wir auch neu entstehende Technologien wie 5G, digitale Vernetzung, künstliche Intelligenz und Elektrofahrzeuge, welche die Lieferketten im asiatischen Technologiesektor in den kommenden Jahren stützen dürften, weiterhin positiv ein. Dies lässt auf eine positive Halbleiternachfrage im nächsten Jahr und darüber hinaus schließen.

Risikohinweis
Risikohinweis - Der Wert jedes Investments und die Einkünfte daraus können sinken oder steigen und Sie erhalten möglicherweise weniger als den investierten Geldbetrag zurück.