Fragen an Mike Brooks, Head of Diversified Multi-Asset

Da es wahrscheinlich ist, dass die globalen Märkte in näherer Zukunft weiterhin von Unsicherheit und Volatilität geprägt sein werden, möchten wir von Ihnen wissen, mit welchen Risiken Anleger ihrer Meinung nach hauptsächlich rechnen müssen.

In den letzten Monaten konnte man sehen, welche Schwierigkeiten Anleger dabei haben, das künftige Wachstum in einem sich rasch ändernden Umfeld einzupreisen. Aufgrund des soliden weltweiten Wachstums wurden die Prognosen für die Weltwirtschaft für 2018 und 2019 zunächst angehoben. Dies erklärt wenigstens zum Teil die Kurszuwächse bei Aktien und die nach wie vor geringen Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen.

Auf mittlere Sicht nähern wir uns aber dem Punkt, an dem die US-Wirtschaft - und mit ihr die gesamte Weltwirtschaft - zunächst stagniert und dann zu sinken beginnt. Dies ist ein natürlicher Effekt wenn Produktionslücken geschlossen werden, in manchen Sektoren und Ländern die finanziellen Ungleichgewichte zunehmen, und es wahrscheinlicher wird, dass die großen Notenbanken von einer expansiven zu einer straffen Geldpolitik übergehen. Letzteres führt zu einer entscheidenden Frage: Wie können Renditen erzielt werden, wenn die geldpolitischen Anreize auslaufen und die Leitzinsen angehoben werden? Die anderen großen Risiken sind die anhaltende politische Unsicherheit und die weitere Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China.

Welche Faktoren werden Ihrer Meinung nach die Renditen in nächster Zukunft bestimmen?

Obwohl der gesamtwirtschaftliche Hintergrund zumindest kurzfristig freundlich bleibt, wirken traditionelle Anlagewerte teuer. Mehrere große Aktienmärkte, darunter die USA und Großbritannien, befinden sich auf ihrem Allzeithoch oder wenigstens in seiner Nähe. Trotzdem sind Aktien – vor allem in den USA – im Vergleich zu ihren Gewinnaussichten zu hoch bewertet, sodass sie Anlegern nur wenig Wert bieten. Zugleich liegen die Renditen der Staatsanleihen in den entwickelten Märkten weiterhin nur knapp über ihren Rekordtiefs, sodass sie angesichts des bevorstehenden Inflations- und Zinsanstiegs unattraktiv erscheinen.

Im Multi-Asset-Universum wurden während der jüngsten Marktturbulenzen erhebliche Performanceunterschiede sichtbar. Die Renditen von Fonds, die auf den ersten Blick in ähnliche Dinge anlegen, wiesen trotzdem eine große Streuung auf. Manager haben grundsätzlich drei Möglichkeiten, mit einem Multi-Asset-Portfolio eine absolute Rendite zu erzielen: Am weitesten verbreitet sind Alpha-Strategien und das Market-Timing, die beide in hohem Maße auf den Fähigkeiten des Managers beruhen – und auf der Annahme, dass der Markt diese Fähigkeit im Zeitverlauf honoriert. Wir verfolgen zwar ebenfalls einen aktiven Ansatz bei der Asset Allocation, tun dies aber in dem Wissen, dass wir nicht immer recht haben werden. Deshalb gestalten wir unsere Portfolios dergestalt, dass wir echte Diversifikation ins Zentrum unserer Anlagephilosophie stellen. Für unsere diversifizierten Multi-Asset-Strategien ziehen wir eine äußerst breit gefächerte Palette von Anlageklassen in Betracht, die die Volatilität, das Abwärtsrisiko und die Abhängigkeit von Aktien als Ertragsmotor verringern.

Worin bestehen Ihrer Meinung nach die Vorteile von Multi-Asset-Anlagen?

In der Vergangenheit funktionierte eine einfache Mischung aus Aktien und Anleihen gut, aber diesen Anlageklassen droht nun Gegenwind. Die Anleger suchen andere Möglichkeiten, um den Wert ihrer Portfolios zu steigern. Doch jedes neue Investment, das sie tätigen, und jeder neue Manager, den sie auswählen, erhöhen die Komplexität. Multi-Asset-Fonds sind eine attraktive Möglichkeit, sich Diversifizierung ins Portfolio zu holen und die Dinge dennoch einfach zu halten.

Welche Investmentideen waren Ihre besten in den letzten Jahren?

Aufgrund der hohen Bewertungen starteten wir 2018 mit weniger als 20 Prozent Aktien und gaben Sachwerten, höher verzinslichen Anleihen und Speziellen Opportunitäten wie u.a. Flugzeugleasing den Vorzug. Seit Anfang 2017 halten wir auch keine niedrig verzinsten Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen mit Investment-Grade mehr.

Als Multi-Asset-Anleger sind wir immer bemüht, die Vermögen unserer Kunden über die traditionelle Anlageklassen hinaus zu diversifizieren. So verdienen unserer Ansicht nach auch Anlageklassen Beachtung, die weiter abseits liegen und deren Ertragsquellen nicht mit denen der traditionellen Anlageklassen und bekannteren „Alternativen“ vergleichbar sind. In solche „alternative Alternativen“ legen wir schon eine ganze Weile an.

Börsennotierte Alternativen haben überzeugende Diversifizierungsvorteile. Die Wertentwicklung der Investmenttrusts folgt auf lange Sicht den zugrunde liegenden Cashflows, die sie mit ihren Investments erwirtschaften – ganz gleich, ob es sich um Immobilien, Windparks oder spezielle Anleihefonds handelt. Einige dieser Anlageklassen hängen naturgemäß stärker am Konjunkturverlauf als andere. Ein entscheidender Vorteil der Prozesskostenfinanzierung besteht zum Beispiel genau darin, dass ihre Renditen nicht mit jenen der anderen Finanzmärkte korrelieren. Der Ausgang eines Gerichtsverfahrens dürfte nahezu unabhängig von der Konjunktur, den Finanzmärkten oder der Zinsentwicklung sein, sodass Prozesskostenfinanzierer als hervorragende Diversifizierungsquelle dienen können. Spezialisiertere Fonds – solche, die in alternativen Nischen tätig sind, und selbst solche, die sich auf Nischenimmobilien wie den sozialen Wohnungsbau konzentrieren – haben noch einen weiteren Vorteil: Sie sind in der Regel zu klein, um den Sprung in die globalen Aktienmarktindizes zu schaffen. Deshalb ist es weniger wahrscheinlich, dass sie bei einem Abverkauf, bei dem alles unterschiedslos verkauft wird, unter die Räder geraten.

Risikohinweis
Risikohinweis - Der Wert jedes Investments und die Einkünfte daraus können sinken oder steigen und Sie erhalten möglicherweise weniger als den investierten Geldbetrag zurück.