Gute Gründe für China A-Shares

So volatil sich chinesische A-Aktien auch entwickeln mögen, bieten sie doch die beste Möglichkeit, am strukturellen Wachstum des Landes zu partizipieren

Viele globale Anleger dürften den chinesischen Onshore-Aktienmarkt als hoffnungslosen Fall ansehen. Nachdem der Markt vergangenes Jahr um über 30% nachgegeben hatte, verzeichnet er seit Beginn des Jahres 2019 eine starke Gegenbewegung.

Der Markt ist ineffizient, denn 80% des Umschlags resultieren daraus, dass lokale Retail-Anleger eher auf die aktuellen Schlagzeilen blicken als auf die Gewinnaussichten der A-Aktien-Unternehmen.

Die Anleger wurden vergangenes Jahr mit Negativmeldungen über die Wachstumsverlangsamung in China, die zunehmende Zahl der Insolvenzen und US-Handelszölle geradezu überschüttet. Dies trübte das Vertrauen und verzögerte die Ausgabenpläne der Unternehmen.

Es gibt gute Gründe, warum internationale Anleger diesen Markt wohlwollender betrachten sollten, insbesondere auf längere Sicht.

Wir halten diese Aversion allerdings für kurzsichtig. Es gibt gute Gründe, warum internationale Anleger diesen Markt wohlwollender betrachten sollten, insbesondere auf längere Sicht.

Die politisch Verantwortlichen in China koordinieren diese Verlangsamung, indem sie das fremdfinanzierte Wachstum drosseln, um so ihr eigenes Finanzsystem zu schützen. Gleichzeitig fördern sie das Wachstum im inländischen Konsum- und Dienstleistungssektor. Dabei streben sie eine unabhängigere und nachhaltigere Wirtschaft an. Und dies ist ein positives Zeichen für die künftige Stabilität.

Kurzfristigen Herausforderungen begegnen die politisch Verantwortlichen mit Maßnahmen zur Belebung bestimmter Wirtschaftsbereiche. Dabei sind sie bereit, weitere geld- und fiskalpolitische Schritte zu unternehmen, um den wirtschaftlichen Wandel reibungslos herbeizuführen.

Globale Anleger sollten auch bedenken, dass das chinesische Wirtschaftswachstum immer noch bei über 6% und damit deutlich höher liegt als in den Industrieländern. Der Konsens prognostiziert für 2019 bei A-Aktien ein Gewinnwachstum von 15%. Ein derartiges, zweistelliges Wachstum dürfte nicht an allzu vielen Märkten zu finden sein. Darüber hinaus sind die Kurse im Zuge der Marktkorrektur 2018 im Vergleich zu den Gewinnen ebenfalls gesunken.

Sollte US-Präsident Donald Trump die Handelszölle weiter erhöhen, so könnte dies das BIP-Wachstum Chinas sicherlich um einen Prozentpunkt schmälern. Die Zölle beeinträchtigen jedoch die Gewinne derjenigen Unternehmen, die von globalen Lieferketten profitieren, von denen viele an US-Börsen notiert sind. Wir vermuten, dass dies einer der Gründe für den Einbruch des S&P 500 Index im letzten Dezember gewesen sein könnte.

Dies könnte Präsident Trump ein Dorn im Auge gewesen sein, da er der Aktienmarktperformance eine hohe Bedeutung beimisst. Zudem verdeutlicht es einen wesentlichen Aspekt: Es liegt im Interesse beider Seiten, eine vernünftige Lösung für diesen Konflikt zu finden. Die beiden Streitparteien scheinen in ihren Stellungnahmen mittlerweile eine versöhnlichere Tonart anzuschlagen und wir gehen davon aus, dass sie den Handelsstreit im weiteren Jahresverlauf werden beilegen können. Jegliche Übereinkunft wird voraussichtlich positiv vom Markt aufgenommen und den Unternehmen mehr Klarheit in Bezug auf ihre Umsatzperspektiven und Ausgabenpläne verschaffen.

Portfoliodiversifizierung

Ein weiterer Grund, warum dieses Jahr mit stärkeren Mittelzuflüssen zu rechnen sein dürfte, besteht darin, dass der globale Indexanbieter MSCI die Anzahl der A-Aktien in seinem Referenzindex für die Schwellenländer ab Mai verdoppelt will. Schätzungen zufolge könnten A-Aktien innerhalb von fünf Jahren bis zu 20% dieses weithin beachteten Index ausmachen. Dies hätte Mittelzuflüsse seitens ausländischer institutioneller Fonds zur Folge, die den Index passiv nachbilden.

Dabei handelt es sich um langfristiges Kapital, das dauerhafter wirken dürfte als die derzeitigen stimmungsbedingten Mittelflüsse. Eine derartige Institutionalisierung hätte zur Folge, dass sich lokale Unternehmen an globale Rechnungslegungsstandards und Best Practices halten müssen. Dies würde die Governance-Standards verbessern und die „Investierbarkeit“ des Marktes erhöhen. Gut geführte Unternehmen mit solidem Kapitalmanagement stellen unseres Erachtens auf lange Sicht bessere Anlagen dar.

Da chinesische Vermögenswerte verstärkt in die globalen Benchmarks Einzug halten, stellt ein geringes oder gar kein Exposure an diesem Markt eine zunehmend aktive Entscheidung dar. Globale Anleger sind möglicherweise bereits über den zugänglicheren H-Aktienmarkt in China engagiert, der durch den MSCI China Index dargestellt wird. Diese Titel sind in der Regel in Hongkong börsennotiert.

Im Vergleich zu den 3.500 A-Aktien gibt es allerdings nur 256 H-Aktien. Im Gegensatz zum Markt in Hongkong verfügt der chinesische Onshore-Markt über mehr als die doppelte Marktkapitalisierung und den drei- bis vierfachen Handelsumschlag.

Der A-Aktienmarkt weist zudem eine deutlich stärkere Diversifizierung nach Sektoren auf und ist wesentlich weniger technologielastig, da die Schwergewichte Tencent und Alibaba am Offshore-Markt gehandelt werden. Die Inlandsausrichtung des Marktes bietet Zugang zu Unternehmen, der andernfalls einfach nicht zur Verfügung steht.

Die besten Gewinnaussichten machen wir bei konsumorientierten Unternehmen aus, die vom strukturellen Wachstum des Landes profitieren dürften. Schließlich wächst Chinas Mittelklasse rasant und die 380 Millionen Millennials haben ein höheres Einkommen als ihre Eltern und geben mehr Geld für Luxusgüter, Reisen und Gesundheit aus.

Erwähnenswert ist außerdem, dass der A-Aktienmarkt eine deutlich geringere Korrelation zu den globalen Märkten aufweist als der MSCI China Index. In ihm wirken andere Treiber und er reagiert somit tendenziell weniger stark auf externe Ereignisse. Daher kann ein Engagement bei chinesischen A-Aktien einem global aufgestellten Portfolio wertvolle Diversifizierungsvorteile verschaffen.

Bevor Anleger den Markt für chinesische A-Aktien als hoffnungslosen Fall abtun oder sich für ein indirektes Engagement über Offshore-Aktien entscheiden, sollten sie demnach erwägen, inwiefern ihnen dadurch Vorteile durch das inländische Wachstumspotenzial entgehen.

Risikohinweis
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