Segeln auf stürmischer See in Asien

Irene Goh, Head of Multi-Asset and Macro Investing - Asia Pacific

Auch 2020 dürften sich die Handelskonflikte und geopolitischen Spannungen fortsetzen. Anleger in Asien sollten sich daher auf schwieriges Fahrwasser gefasst machen. Obschon der Sturm noch eine Weile wüten dürfte, bieten sich vielfältige Möglichkeiten für Anlagen und den Aufbau robuster, gut diversifizierter Portfolios.

Die Verwüstungen des Handelskrieges

Der anhaltende Handelskonflikt zwischen den USA und China bleibt eine der treibenden Kräfte für die Finanzmärkte rund um den Globus. Nach wie vor fordert er seinen Tribut in der Weltwirtschaft, wobei die Exporte und das verarbeitende Gewerbe die Hauptlast zu tragen haben. Sollte es zu keiner anhaltenden Lösung im Handelsstreit kommen, gehen wir davon aus, dass sich das globale Wachstum auf den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise im Jahr 2008 abschwächen wird. Gleichwohl rechnen wir nicht mit einer weltweiten Rezession, denn die Zentralbanken scheinen entschlossen, dieser einen Riegel vorzuschieben.

Wo in Asien lassen sich also Erträge erwirtschaften?

Chinas aufblühender Anleihenmarkt

Weltweit haben Anleihen im letzten Jahr positive Erträge geliefert, beflügelt von Zinssenkungen der Währungshüter mit dem Ziel, das Wachstum zu beleben. Aber in der Region Asien-Pazifik gibt es Nachzügler, zu denen auch chinesische Staatsanleihen (CGBs) gehören. Wie unsere Analysen zeigen, sind diese gegenwärtig unterbewertet. CGBs bieten Renditen von rund 3%, was deutlich über denen vieler Staatsanleihen aus den Industrieländern liegt, die in einigen Regionen nur noch negative Renditen ausweisen. Wir erwarten, dass die chinesische Zentralbank die Zinsen weiter senkt und so der Wirtschaft unter die Arme greift. Auf CGBs dürfte sich das günstig auswirken.

Nach dem Willen Pekings sollen sie für ausländische Investoren leichter zugänglich werden, denn bis dato finden sie sich vor allem in den Portfolios chinesischer Anleger wieder. Da chinesische Staatspapiere immer stärker in globalen Anleihenindizes vertreten sind, dürfte dies weitere Mittelzuflüsse begünstigen.

Gezeitenwechsel im Technologiesektor

Auf Asiens Aktienmärkten war 2019 vor allem für den Technologiesektor ein ereignisreiches Jahr. Das von den USA verhängte Handelsverbot gegen den chinesischen Kommunikationsriesen Huawei hat den Handelskonflikt weiter angeheizt und die Technologie-Lieferkette empfindlich gestört. Unterdessen sorgt der Disput zwischen Japan und Korea für weitere Unruhe unter Technologiefirmen, denen die schwache Nachfrage und der Mangel an neuen, heiß ersehnten Produkten zu schaffen macht.

Korea und Taiwan reagieren besonders empfindlich auf Konflikte im Handel mit Technologieprodukten. Der Informationstechnologiesektor macht mehr als 60% des lokalen taiwanesischen Aktienmarktes aus. Für Korea beträgt die Vergleichszahl 40%. Kein Wunder also, dass beide Märkte in den letzten Monaten Federn gelassen haben. Inzwischen wächst die Erwartung auf einen Wiederanstieg der Kurse von Technologieaktien, angetrieben von der Hoffnung auf einen neuerlichen Anstieg der Lagerbestände und einen günstigen iPhone-Produktzyklus. Tatsächlich steigen die Kurse am koreanischen Aktienmarkt seit dem Sommer wieder – ein Beleg für die wachsende Begeisterung der Anleger über eine Trendwende bei den Speicherchip-Preisen (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Enge Verbindung zwischen dem koreanischen Aktienmarkt (KOSPI) und den Preisen für Speicherchips

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Kurzfristig werden die negativen Auswirkungen auf die Technologie-Lieferkette unseres Erachtens unterschätzt. Aufgrund der gestiegenen Unsicherheit im Handel halten sich Technologiefirmen stärker zurück. Zudem beobachten wir einen gewissen Widerwillen, in Wachstum zu investieren. Entsprechend könnte sich der Optimismus der Marktteilnehmer in den kommenden Wochen als deplatziert erweisen.

Blickt man über die kurzfristigen Schwierigkeiten des Technologiesektors hinaus, zeichnet sich erhebliches Aufwärtspotenzial ab.

Blickt man über die kurzfristigen Schwierigkeiten des Technologiesektors hinaus, zeichnet sich erhebliches Aufwärtspotenzial ab. Konkret soll 2020 der Ausbau des 5G-Netzes massiv vorangetrieben werden. Verbrauchern bietet das eine verbesserte Konnektivität und bringt für viele Technologiefirmen erheblichen Aufwind. Die Entwicklungen in diesem Bereich verfolgen wir daher sehr aufmerksam.

Rückenwind für chinesische Aktien

In China stehen die Unternehmensgewinne wegen der Konjunkturabkühlung unter Druck. Aber die Regierung steuert gegen, insbesondere über Steuersenkungen für Verbraucher und Unternehmen. Unterdessen deuten einige wichtige Wirtschaftsindikatoren wie die Aufträge im verarbeitenden Gewerbe und die Lagerbestände darauf hin, dass die Unternehmensgewinne die Talsohle durchschritten haben. Hinzu kommen die vor dem Hintergrund der für 2020 prognostizierten Gewinne attraktiven Aktienkurse. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die sich zuspitzende Lage in Hongkong nur begrenzte Auswirkungen auf chinesische Firmen hat. Letztere erwirtschaften den Großteil ihrer Umsätze auf dem chinesischen Festland.

Schutz vor dem Sturm

Eine weitere nützliche Ertragsquelle bei turbulenten Märkten sind Währungspaare, bei denen wir eine Währung zulasten einer anderen übergewichten. Exemplarisch dafür ist eine Position, bei der wir die indische Rupie dem koreanischen Won vorziehen. Wir gehen davon aus, dass die Rupie weiter von einem stabilen Ölpreis und den soliden Staatsfinanzen Indiens profitiert. Auch die jüngsten überraschenden Steuersenkungen zum Ankurbeln des Wachstums verheißen Gutes für die indische Währung. Dagegen erwarten wir, dass der handelsempfindliche koreanische Won an Wert verliert. Ursächlich dafür ist die sich verschlechternde Handelsbilanz und die Aussicht auf weitere Zinssenkungen, die in der Regel eine Abwertung der Währung eines Landes nach sich ziehen. Diese grundlegenden Unterschiede erlauben es uns, eine interessante Diversifizierungsposition für unsere Portfolios als Puffer gegen die erhöhten Handelsspannungen zwischen den USA und China aufzubauen. Darüber hinaus können wir zusätzliche Erträge aus den Zinsunterschieden zwischen Indien und Korea generieren, auch „Carry“ genannt.

In ähnlicher Weise lassen sich Positionen beim japanischen Yen dazu nutzen, durch schwieriges Fahrwasser zu navigieren. Der Yen gilt als ein defensiver Vermögenswert und dürfte im aktuellen, von Risikoaversion geprägten Umfeld weiter an Wert gewinnen. Hinzu kommt, dass die Bank of Japan kaum noch Spielraum für weitere Zinssenkungen hat. Ausländische Anleger machen bereits seit einiger Zeit einen Bogen um japanische Vermögenswerte. Ein neuerliches Interesse an Anlagen in Japan aufgrund struktureller Verbesserungen und seiner wahrgenommenen Fähigkeit, makroökonomische Turbulenzen zu überstehen, könnte dem Yen ebenfalls Auftrieb verleihen.

Fazit

Mit Unsicherheiten im Welthandel gehen weiterhin Herausforderungen einher, während die politischen Spannungen innerhalb und zwischen einzelnen Regionen unverändert hoch ausfallen. Das veranlasst uns zu einem konservativeren Risikoansatz als es sonst der Fall gewesen wäre. Gleichwohl gibt es nach wie vor zahlreiche Möglichkeiten für Anlagen in Asien, mit denen sich robuste, diversifizierte und flexible Portfolios aufbauen lassen.

Risikohinweis
Risikohinweis - Der Wert jedes Investments und die Einkünfte daraus können sinken oder steigen und Sie erhalten möglicherweise weniger als den investierten Geldbetrag zurück.